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Giftunfall in Homberg: Zahl der Verletzten steigt

Polizei: Frage der Genehmigung noch ungeklärt

Giftgasunfall: 42 Verletzte und Großalarm in Homberg

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Homberg. Ein Giftunfall hat in der Nacht zu Mittwoch in Homberg für Katastrophenalarm mit einem Großaufgebot an Hilfskräften gesorgt. Die Zahl der Verletzten gab die Polizei am Mittwoch mit 42 an. Über 200 Menschen mussten sich nach dem Unfall einer kurzen Untersuchung unterziehen.

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Info-Telefon:
05681/774233

Die verletzten Personen wurden in Krankenhäuser eingeliefert, es bestehe aber keine Lebensgefahr, sagte Polizeipressesprecher Reinhard Giesa.

Auf dem Gelände der Spedition CTL in der Ludwig-Erhard-Straße waren gegen 1.30 Uhr aus einem 200-Liter-Fass 30 Liter einer giftiger Flüssigkeit ausgetreten. Ein Gabelstapler hatte nach Polizeiangaben ein Fass mit der stinkenden, farblosen Flüssigkeit beschädigt. Der ausgelöste Katastrophenalarm sorgte für ein Großaufgebot an Rettungskräften und Feuerwehr.

Am frühen Mittwochnachmittag gab es Entwarnung für die Einwohner Hombergs. Ihnen war in der Nacht geraten worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Aus der Bevölkerung habe es bisher keine Meldungen über gesundheitliche Beeinträchtigungen gegeben, berichtete Giesa.

aktualisiert um 20.23 Uhr

Symptome wie Husten, Atemnot, Schwindel und Übelkeit könnten aber auch noch bis zu 48 Stunden später auftreten. Wer den unangenehmen Geruch des Phenylmercaptan nicht wahrgenommen habe, sei dem Stoff vermutlich auch nicht ausgesetzt gewesen.

Sämtliche Zufahrten zum Homberger Industriegebiet waren in der Nacht zu Mittwoch gesperrt worden. Lastwagen stauten sich vor allem auf den Bundesstraßen. Nicht nur die betroffene Spedition CTL, sondern auch die anderen Betriebe des Industriegebietes konnten nach Informationen der HNA nicht arbeiten.

Gegen 12.15 Uhr wurde die Sperrung – mit Ausnahme von CTL – wieder aufgehoben. „Alle Fahrzeuge auf dem Firmenhof von Cargo Trans Logistik müssen dekontaminiert werden“, sagte Giesa. Dass das Gift beim Waschen der Lkw in die Kanalisation gelange, sei nicht zu befürchten, sagte der stellvertretende Kreisbrandinspektor Robert Pfalzgraf.

Ungeklärt ist noch die Frage, ob CTL eine Genehmigung zum Lagern oder Umschlagen solcher chemischen Substanzen habe beziehungsweise ob es eine solche überhaupt geben müsse, so Polizeisprecher Giesa.

In der Homberger Stadthalle war in der Nacht provisorisch ein medizinisches Versorgungszentrum eingerichtet worden. Busse brachten etwa 150 CTL-Mitarbeiter und Lkw-Fahrer zur Beobachtung und ersten Versorgung dorthin. In der Nacht war noch nicht klar, welche Gesundheitsgefahren von dem Stoff ausgehen können. Nach Angaben der Ärzte äußern sich die Symptome vor allem in Atemnot, Husten, Übelkeit und Schwindel. Vorsorglich unterzogen sich alle betroffenen Mitarbeiter noch in der Nacht in einem Zelt vor der Stadthalle einer Dusche.

Für die Betroffenen war die Lage zunächst unübersichtlich. Ob und wann die Mitarbeiter die Stadthalle verlassen konnten, war unklar. Lkw-Fahrer, die eigentlich schon längst wieder auf der Strecke sein sollten, hingen fest.

Ein Augenzeuge erzählt

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Aus ganz Nord- und Mittelhessen waren Rettungskräfte, Notärzte sowie Feuerwehrleute mit Spezialausrüstung in Homberg zusammengezogen worden.

Bei dem ausgetretenen Stoff handelte es sich nach Informationen der Polizei um Phenylmercaptan, das für verschiedene chemische Prozesse verwendet wird. 

Die Lieferung des Phenylmercaptan soll nach Informationen der HNA aus Holland stammen. Ein Experte der Darmstädter Firma Merck soll im Laufe des Tages hinzugezogen werden, um die Gefährdung einschätzen zu können.

Hinweis:

Menschen, die Reizungen der Atemwege oder ähnliche Symptome verspüren, werden gebeten, sich mit dem Gesundheitsamt des Schwalm-Eder-Kreises in Homberg, Parkstraße 6, unter Tel. 05681-775678 in Verbindung zu setzen. (hro)

Landrat Frank-Martin Neupärtl sagte in einem Gespräch mit unserer Zeitung, er sei sehr froh, dass die Einsatzkräfte die Situation gut im Griff hatten.

Es müsse aber auch analysiert werden, ob eine Anleitung für den Umgang mit giftigen Chemikalien bei den Einsatzkräften vorhanden war. Ein Gespräch mit allen Beteiligten werde folgen. Es soll geklärt werden, ob genügend Informationen zum Umgang mit Gefahrgut gegeben hat.

Sehr giftig: Thiophenol

Thiophenol (C6H6S) heißt der Stoff, der bei dem Gefahrgutunfall in Homberg freigesetzt wurde. Er ist auch als Phenylmercaptan oder Mercaptolbenzol bekannt. Laut Produktinformation der Firma Merck, die die Chemikalie anbietet, besteht Lebensgefahr beim Einatmen, Verschlucken und bei Hautkontakt. Thiophenol ist eine farblose, übelriechende Flüssigkeit, die als sehr giftig, entzündlich und reizend eingestuft wird. Die Chemikalie gilt außerdem als stark wassergefährdend. Wer mit ihr arbeitet, soll Schutzhandschuhe und -kleidung tragen. Beim Hautkontakt mit Thiophenol wird gründliches Waschen mit viel Wasser und viel Seife empfohlen. (ode)

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CTL – Dienstleister auch für Gefahrengut

Als zentrales Drehkreuz bezeichnet das Unternehmen Cargo Trans Logistik AG (CTL) seine Niederlassung in Homberg. Seitens der Firma war am Mittwoch keine Stellungnahme zum Chemieunfall zu erhalten.

Auf ihrer Homepage beschreibt das Logistikunternehmen sein Homberger Drehkreuz mit folgenden Daten: 8450 Quadratmeter Umschlagfläche, 142 Tore, Tag- und Nachtbetrieb, Umschlag mit eigenem Personal und Videoüberwachung der gesamten Anlagen. Großen Wert lege das Unternehmen auf die Weiterbildung der 130 Mitarbeiter.

Interne und externe Schulungen sollen deren Qualifikation sichern. Zum Angebot des Logistikers gehört auch „CTL explosiv“. Im Internet wirbt die Firma mit dem Slogan: „Unsere Gefahrengut-Dienstleistung – ob reizend oder giftig ... CTL explosiv“. Weiter heißt es: „Unsere Umschlagbetriebe sind auf die Behandlung gefährlicher Güter im Sinne der ADR bestens vorbereitet.

Ausgebildetes Personal überwacht alle ADR-Güter und kontrolliert die Begleitpapiere“. Dabei steht die Abkürzung ADR für „Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“.

Es handelt es sich um eine 1957 in Genf beschlossene Vorschrift, in der Transport, Verpackung, Ladungssicherheit und Kennzeichnung von Gefahrengut auf Straßen geregelt ist. Laut Internetlexikon Wikipedia gibt es derzeit 46 ADR-Mitgliedstaaten. Über 130 Spediteure seien an das CTL-Verkehrsnetz angeschlossen. Dabei lege man großen Wert auf Qualität. Das spiegele eine Zertifizierung nach DIN-Norm wider. Täglich würden Qualitätskennzahlen ausgewertet, um die Arbeitsabläufe zu sichern.

 Dazu sagt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte: „Das Umladen ist Akkordarbeit. Da ist es nicht möglich, auf die Verpackungsetikette zu schauen.“ (ras)

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