Hunde schrecken Jäger ab

Trainingsplatz sorgt für Unruhe in Schnellrode: Jagdpacht-Erlös steht in Frage

Hunde schrecken Jäger ab

306.06.1006.06.10|Melsungen|6 Kommentare
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Schnellrode. Jagdpächter, Spaziergänger, Radler und Jogger, ein benachbarter Landwirt, ja ganz Schnellrode ist verärgert über einen Hundeübungsplatz am Ortsrand. „Wir haben einfach Angst“, sagt Ortsvorsteherin Lydia Kehl-Oeste. Denn die Betreiberin der Hundeschule halte sich an keinerlei Vereinbarungen und lasse den Tieren freien Lauf.

„Es wird immer schlimmer“, klagt die Vorsitzende des Ortsbeirates. Nachdem es mehrere Versuche einer gütlichen Einigung gegeben habe, hofft Lydia Kehl-Oeste nun im Interesse der Dorfbewohner auf einen Vertrag zwischen der Hundelehrerin und der Stadt Spangenberg „mit ganz harten Bandagen“.

„Wir haben einfach Angst.“

Ortsvorsteherin Lydia Kehl-Oeste

Denn: Spaziergänger würden durch frei laufende Tiere verängstigt, im Winter sei eine Dorfbewohnerin gar „in die Jacke gekniffen“ worden von einem Schäferhundmischling. Jogger und Radfahrer nutzten den an dem eingezäunten Gelände vorbeiführenden Radweg nur mit Vorsicht. Ein Biobauer klage über die Exkremente der Hunde auf seiner Wiese, die ihm beim Mähen um die Ohren fliegen.

Und künftig wollen sogar die Jagdpächter aus Göttingen ihre Pacht nicht mehr in voller Höhe zahlen. Denn der Lärm auf dem Übungsplatz durch die bellenden Hunde, durch nächtliche Feiern und Camping verschrecke das Wild. „Da wird gegrillt, da wird übernachtet“, klagt Henning Gellert, Jagdpächter seit 35 Jahren.

2009 hätten er und sein Kollege zum ersten Mal den Abschussplan der unteren Jagdbehörde für Rotwild nicht erfüllen können. Kein einziges Tier erlegten sie, vier sind vorgeschrieben.

Mit Klaus Justus legt Gellert auf 360 Hektar rund um Schnellrode die Flinte an. Das wollten sie auch in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai. Zum ersten Mal in diesem Jahr wollten sie Rehböcke ins Visier nehmen. Doch statt friedlicher Abenddämmerung sei auf dem Hochsitz Remmidemmi angesagt gewesen: Der Krach von der Hundeschule sei durchs Tal gehallt. „Das war eine Veranstaltung, die ist ausgeartet“, sagt auch Lydia Kehl-Oeste.

„Die Jagdausübung wird derart eingeengt, dass wir gesagt haben: Wir werden die Jagdpacht kürzen,“ spricht Henning Gellert zugleich für seinen Kollegen. Das jedoch wäre fatal für die Schnellröder. Denn die Jagdgenossen gaben allein zum Dorfplatz, der zur 625-Jahr-Feier 2008 gebaut wurde, 4000 Euro dazu, zahlten für die Kirchenmauer, „die machen Wege und lassen Gräben ausheben“, berichtet die Ortsvorsteherin. „Das ist für das Dorf ein Gewinn.“

Die Hundeschule mit ihren Begleiterscheinungen nicht. Kehl-Oeste: „Am besten, wenn sie ganz verschwindet.“

Von Andrea Brückmann

„Ich habe das alles genehmigen lassen“

Emely Eckhardt, Betreiberin der Hundeschule, weist alle Vorwürfe zurück und lädt Schnellröder ein

"Ich sehe das alles ein bisschen anders“, sagt Emely Eckhardt, die die Hundeschule in Schnellrode betreibt. „Das war vorher ein unangemeldeter Hundeplatz,“, erinnnert sie daran, dass das Gelände ähnlich genutzt wurde, bevor sie es 2007 kaufte. „Ich habe das genehmigen lassen.“ Bei ihr gehe es sehr ruhig zu, nur einmal im Jahr gebe es die bundesweite Ausstellung der Tschechoslowakischen Wolfshunde wie ihr Keoma einer ist. Die letzte war an jedem 1. Mai, als die Jäger den Rehbock aufs Korn nehmen wollten. 22 Wolfshunde waren ausgestellt, die Gäste kamen sogar aus dem Ausland, manche hätten auf dem Platz übernachtet.

Veranstalter sei der Club für diese Hunderasse und der Verband für das Deutsche Hundewesen. Nächstes Jahr werde es diese Veranstaltung wieder geben, vielleicht noch eine zweite. Im August will Emely Eckhardt die Tore des Hundeplatzes aber erst einmal für Besucher öffnen. „Da sind dann die Schnellröder recht herzlich eingeladen.“ Bis dahin will sie ihren Übungsbetrieb weiter mittwochs, donnerstags und freitags von 16.30 bis 19 Uhr laufen lassen und samstags von 14 bis 17 Uhr. Außerdem bilde sie dienstags und freitags von 18 bis 20 Uhr Begleithunde aus.

Das sein eine Vorbereitungsgruppe mit berufstätigen Menschen und ihren Tieren, die im Oktober Prüfung machen. „Aber da gibt es kein Spielen und kein Bellen.“ Den Ärger der Schnellröder versteht sie nicht: „Hier gibt es weder Partys noch wird hier gecampt.“ (and)

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