122.06.1022.06.10|Melsungen|
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Melsungen. Was ist Liebe? Diese Frage stellten sich 16 Schüler des Grundkurses 12 Darstellendes Spiel der Melsunger Geschwister-Scholl-Schule in ihrem Theaterstück zwischen Müll und Kartons. Unter der Leitung von Alexandra Schreier und auf Basis des von Arthur Schnitzlers geschriebenen Stückes „Reigen“ (1903), brachten die Schüler ein 90-minütiges Szenenspiel auf die Bühne, dass von Liebe, Lügen und Heimlichkeiten handelt und das sie schlicht „Paarungen“ nannten.

Liebe, Lüge und Heimlichkeiten: Zweimal traten die Schüler des Grundkurses 12 der Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen mit ihrem Stück „Paarungen“ in der Schulaula auf. Die Darsteller, die gerade keine Szene spielten, saßen am Bühnenrand, trugen Sonnenbrillen und Kopfhörer und blickten Richtung Publikum, so wie (von links) Süheyla Sagir, Jennifer Kuhnt, Paula Stagneth und Stefanie Heckmann. Auf der Bühne spielen Naemi Manunzio und Marvin Knetsch. Fotos: H. Wagner
Anfangsszene: 16 Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, sitzen in einer Talkshow, darunter eine Haushälterin, ein Soldat, ein Psychiater und eine Prostituierte. Im Hintergrund läuft das Lied „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Während der Sendung werden sie zum Thema Liebe befragt. Nacheinander erzählen sie, wie wichtig Treue und Vertrauen sei. Es sind die klassichen Aussagen über die Liebe.
Was dann folgt, sind ein Zwischenspiel und eine Aneinanderkettung von Szenen, die die Wahrheit über die 16 Menschen offenbaren. Keiner handelt nach dem, was er vorher sagte. Lügen, Betrug und Doppelmoral prägen das Geschehen. Da wäre zum Beispiel Alfred, ein Programmierer, der eigentlich mit Tatjana zusammen ist, sie aber mit Emma betrügt. Tatjana nimmt es mit der Treue auch nicht so genau und vergnügt sich parallel mit dem Geschäftsmann Carlo, obwohl sie von der Treue schwärmte. Oder der Psychiater Karl, der Wahrheit, Moral und Vertrauen predigt, für sich selbst aber andere Regeln aufstellt.
Die einzelnen Spielszenen dauerten nur einige Minuten. LangweiIig wurde es während des gesamten Stückes nicht, dafür waren die Szenen viel zu überzeugend und unterhaltsam gespielt. Auch wenn es die eine oder andere Szene gab, die Gelächter im Saal auslöste, so waren die Inhalte trotzdem ernüchernd und hatten so gar nichts mehr mit romantischen Bildern über die Liebe zu tun.
Die Frustration gipfelte in der Szene mit Valentin von Thüringen, der sich verzweifelt durch den Müll wühlte und fragte: „Gibt es die Liebe überhaupt? Ich kann sie nicht finden“. Doch die Liebe war die ganze Zeit da, denn jede Figur des Stücks war in ihrer Art und Weise auf der Suche nach Liebe. In der Schlussszene sitzen die 16 Menschen, hinter deren Fassade das Publikum kurz blicken konnte, wieder in der Talkshow und säuseln über die Liebe. Nur jetzt weiß der Zuschauer Bescheid.
Es war eine gelungene Aufführung, die mit minutenlangem Applaus und dem Lied „Love Is In The Air“ endete.
Von Heike Wagner
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