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Zehn Songs in siebzehn Minuten: Auf ihrem Album „Life/Less“ halten sich Loma Prieta nicht mit langem Geplänkel auf.

Das Erdbeben ist Programm: HNA-Volontär Simon Neutze empfielt das Album „Life/Less“ von Loma Prieta. Foto: Senska
Bereits der erste Song „Useless Limbs“ prescht mit wildem Punkrhythmus voran, begleitet von Geschrei und donnernden Gitarren. Das folgende Stück „Silhouettes“ wiegt den Hörer ganze 45 Sekunden lang in ruhiger Sicherheit, bevor die nächste Kakophonie einsetzt.
Die aus San Francisco stammende Band – benannt nach einem Erdbeben, das die kalifornische Stadt 1989 in Trümmer legte – mag mit ihren dissonanten Staccato-Gitarren und vertrackten Rhythmen für manchen Hörer eher an akustische Gewalt als an Hörgenuss erinnern. Freunde harter Gitarrenmusik könnten hier jedoch eine neue Lieblingsband entdecken.
Loma Prieta pressen ihre Musik nicht in Korsetts aus Strophen und Refrains. Stattdessen schlagen sie sie dem Hörer mit einer Intensität um die Ohren, die sich nicht hinter Bands wie Raein, Orchid, Ampere oder auch Converge verstecken muss. Und doch lassen die akustischen Naturgewalten immer wieder Raum für kleine atmosphärische Zwischenspiele, wie im besten Stück des Albums, „Closenessless“, das in seinen immerhin drei Minuten fast wie ein kleines Epos anmutet.
Die gniedeligen Soli und Riffs, denen sich Loma Prieta zu Anfang ihrer Laufbahn gern hingaben, sind auf ihrem mittlerweile dritten Album „Life/Less“ nur noch selten zu finden. Stattdessen treten neben den schnellen Krachattacken zunehmend schwere, schleppende Gitarren in den Vordergrund, die nicht selten an Neurosis erinnern. So auch in „Apparition“, das den schwergewichtigen Schlusspunkt dieses auf durchsichtiges Vinyl gebannten Erdbebens setzt und den Hörer mit einem A-Capella-Chor zurücklässt. „What do we worry about what is real?“, schreit dieser dem Hörer entgegen. Wer sich diesen siebzehn Minuten hingibt, wird danach kaum Zweifel haben, wie viel davon real war. (ntz)
Loma Prieta: Life/Less; 17 Minuten, Vinyl-LP, 13 Euro (Discos Huelga/React With Protest).
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