Willingshausen. Der Frosch lächelt. Silbern, mit goldenem Krönchen sitzt er am schwarzen Revers von Claus-Hartwig Ottos Jacket und lächelt vor sich hin. Den Frosch hat der neue Leiter der Melanchthon-Schule von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. Rabe und Wal gibt es auch. „Meine Frau liebt Schmuck und schenkt mir gerne mal was“, sagt der 53-Jährige Otto, „und ich finde es sehr schön.“ Andere tragen eine Nadel an der Krawatte, er trägt Schmuck am Revers: „Damit setze ich eine persönliche Note.“
Die will er auch in seiner Arbeit setzen. Die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln liegt ihm am Herzen, seit er als junger Lehrer an einer Grundschule in Stadtallendorf unterrichtete, wo fast nur türkische Gastarbeiterkinder in der Klassen saßen. „Denen habe ich Lesen und Schreiben auf Deutsch beigebracht.“
„Bildung ist viel mehr als nur Wissen.“
Claus-Hartwig Otto
Seit dieser Zeit ist ihm klar, dass Bildung mehr als nur Wissen ist. Deshalb unterrichtet er so gerne Religion in der Oberstufe. „Dort lernen die Schüler viel Lebenswissen.“ Was ist Trauer? Wie sieht Gerechtigkeit im Leben aus? Um solche Themen geht’s in seinem Unterricht. Für Otto als Lehrer sind diese Religionsstunden viel anspruchsvoller als Bio, wo er nur Inhalte vermittelt. Auf den Religionsunterricht müsse er sich besonders vorbereiten, sagt Claus-Hartwig Otto, da er sich als Mensch einbringen müsse. Sein Ziel: Schülern zu ermöglichen, sich zu öffnen und mitzuteilen.
Das wünsche sich der Schulleiter auch für Schüler, die nicht christlicher Konfession sind. „Ich möchte die Aufnahmekriterien an unserer Schule ändern.“ Denn ein evangelisches Krankenhaus behandele alle Menschen – überkonfessionell. An der Melanchthonschule dürfen hingegen nur evangelische und katholische Schüler lernen.
Vielleicht hängt in ein paar Jahren ja das Kunstwerk eines muslimischen Schülers in Ottos Schulleiterbüro im ersten Stock des Altbaus. Noch hallt es in dem großzügigen, kargen Raum: ein Schreibtisch, eine Lampe, ein Schrank, zwei Konferenztische, Stühle und nur ein Bild an der Wand. Es zeigt Melanchthon, den Namensgeber des christlichen Gymnasiums. Otto hat bereits mit einer Kunstlehrerin gesprochen. Sie will ihm Schülerarbeiten aussuchen, die sein Büro verschönern sollen.
Seine Stärken? Schnelles Arbeiten, gut zuhören können und ein Ziel nicht aus den Augen verlieren. An seiner Schwäche, der Ungeduld, arbeitet er stetig. Dabei hilft ihm vielleicht der kleine, silberne Frosch am Revers, der schmückt und beharrlich lächelt. ZUR PERSON
Von Claudia Feser



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