201.08.1001.08.10|Schwalmstadt|2 Kommentare
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Loshausen. Das Wochenende galt der Kunst abseits des Mainstream. Beim „Kleinen Kultursommer“ auf dem Gelände des Schlossgartens in Loshausen konnten Besucher faszinierende Musik und greifbare Kunst erleben.

Der Künstler Udo P. Leis hatte das gesamte Gelände in eine Kunstinstallation verwandelt. Mannshohe, bunt gestaltete Sägeblätter, „Die Blumen des Bösen - Hommage an Baudelaire“ waren überall im Park angebracht.
In Szene gesetzt mit Licht, wirkten die ehemaligen Werkzeuge faszinierend und erschreckend zugleich. Mehrere Tonnen schwere ehemalige Turm-Glocken aus dem Zweiten Weltkrieg, sogenannte Notglocken, hatten Leis und der Kassler Klangkünstler Wolfram Der Spyra extra nach Loshausen gebracht, um ihnen gemeinsam mit Schlagwerker Stefan Modrow ihre unnachahmlich klaren Klänge zu entlocken.
Die Metall-Brücke, die über die den Schlossgarten teilende Schwalm führt, war mit fluoreszierendem Lack gestrichen und spiegelte sich im Fluss, was in der Dunkelheit wunderschön anzublicken war. Licht und Metall spielten die Hauptrollen bei diesem Kultursommerspektakel, ausgerichtet vom Förderverein Schloßgarten Loshausen.
Der zweite große Schwerpunkt war die Musik. Klangkünster Der Spyra begnügte sich nicht nur damit, die Notglocken in fast schon zeremonieller Art und Weise zum Klingen zu bringen. Mithilfe eines großen technischen Apparats aus mehreren Computern, Samplern, Sequenzern und Keyboards führte er sein Publikum in einem fremde Klangwelt.
Zusammengehalten und umschlossen wurde die viele digitale Technik durch ein fast schon archaisch wirkendes Instrument: Ein Stahlcello. Eigens gebaut, verfügt es am oberen Ende über mehrere Stahlstäbe, die der Künstler mithilfe eines Bogens in Schwingung versetzt. Diese übertragen sich auf ein großes schwingungsfähiges Blech, und produzieren teils sirenenartige, teils basslastige Klänge, je nachdem, ob und wie Der Spyra das analoge Signal digital weiter verarbeitet.
Elektronische Musik, sogenannte Loops bildeten den Klangteppich, auf dem der Künstler mit Glocken, Stahlcello oder dem Keyboard live improvisierte.
„Die Musik lebt vom Moment. Sie ist immer anders und verändert sich allmählich“, erklärte Klaus Hottmann, ehemaliger Kunstlehrer des Schwalmgymnasiums Treysa und Freund des Künstlers.
Die Musik kam ohne große Spitzen und Pausen aus und so wirkte der ständige Fluss der Musik meditativ, aber zugleich rein auf auditiver Seite ein wenig unspektakulär.
Einen sehr starken Kontrast bildete die Bandkombo Ejazzolation. Die fünf Musiker aus allen Ecken Deutschlands zeigten, wie sehr sich Musik voneinander unterscheiden kann. Ihr tanzbarer Dancefloor-Jazz war voller Breaks und Soli. Dabei war das aufeinander eingespielte Jazzquintett nie verloren, immer modulierten sie eher noch ihre Melodien und Läufe und hatten sichtlich Spaß dabei.
Ein erlebnisreiches Wochenende beim kleinen Kultursommer in Loshausen fand so seinen Höhepunkt.
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