Schwalmstadt. Sie wurden geschlagen, gedemütigt, zur Zwangsarbeit gezwungen und häufig auch sexuell misshandelt. 15 Hephata-Heimkinder brechen nach mehr als 40 Jahren ihr Schweigen. Die Schwalmstadter Diakonieeinrichtung hatte auf ihrer Internetseite ehemalige Heimzöglinge aufgerufen, sich zu melden.
Lesen Sie auch
Bestrafung und Strafe waren wesentliche Elemente der Heimerziehung zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren. Auch Heimkinder aus Hephata erzählen von verheerenden Zuständen. Entwurzelung sei das Kerndrama aller Biografien, die ihm geschildert wurden, sagte Hephata-Direktor Peter Göbel-Braun. Hephata war bis in die 1970er Jahren stark überregional belegt. Viele Kinder kamen aus deutschen Großstädten ins Heim in die Schwälmer Kleinstadt. Göbel-Braun: „Das Prinzip war, möglichst weit weg vom bekannten Umfeld.“
„Der Direx vergewaltigte meine Ohren, indem er darauf Trompete spielte.“
Ein ehemaliger Heimzögling
Ins Heim kamen die Kinder aus unterschiedlichen Gründen, die einen galten als schwer erziehbar, andere waren ganz einfach nur unehelich geboren.
Das Heim sollte Kinder neu strukturieren, und das funktionierte häufig nur über Strafe. Göbel-Braun zitierte beispielsweise einen ehemaligen Hephata-Heimzögling, der berichtete, dass ihm der „Direx die Ohren vergewaltigt hat, indem er damit Trompete spielte“.
Demütigungen und Beschämungen als Strafe waren an der Tagesordnung – harte Regeln mussten durchgesetzt werden. Ohrfeigen waren Standard. Eine Betroffene beschrieb dem Hephata-Direktor das so genannten „Kohlenknien“: Kinder wurden über Stunden, manchmal ganze Nächte, in den Kohlenkeller gesperrt. Beschämend war auch die samstägliche Badeaktion: Mädchen warteten vollständig entkleidet, bis die Badewanne wieder frei war. Alle Kinder mussten das selbe Wasser benutzen. Wer bestraft wurde, durfte erst als Letzter ins Wasser, das zuvor durchaus auch inkontinente Kinder benutzt hatten.
Das Aufarbeiten der Vorkommnisse gestaltet sich nach Angaben von Göbel-Braun als mühsam. Aktenfunde aus jener Zeit seien eher zufällig gewesen. Personalakten beispielsweise mussten nur eine begrenzte Zeit aufbewahrt werden. Die ehemaligen Heimzöglinge erinnerten sich manchmal noch an die Namen einiger Kameraden, eher selten an die derjenigen, denen sie anvertraut waren.
Von Sylke Grede



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.