Superbanner

Heimkinder berichten von Schlägen und Demütigungen

Strafe ohne Grenze

    • recommendbutton_count100
    • 17
    • 4

Schwalmstadt. Sie wurden geschlagen, gedemütigt, zur Zwangsarbeit gezwungen und häufig auch sexuell misshandelt. 15 Hephata-Heimkinder brechen nach mehr als 40 Jahren ihr Schweigen. Die Schwalmstadter Diakonieeinrichtung hatte auf ihrer Internetseite ehemalige Heimzöglinge aufgerufen, sich zu melden.

Bestrafung und Strafe waren wesentliche Elemente der Heimerziehung zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren. Auch Heimkinder aus Hephata erzählen von verheerenden Zuständen. Entwurzelung sei das Kerndrama aller Biografien, die ihm geschildert wurden, sagte Hephata-Direktor Peter Göbel-Braun. Hephata war bis in die 1970er Jahren stark überregional belegt. Viele Kinder kamen aus deutschen Großstädten ins Heim in die Schwälmer Kleinstadt. Göbel-Braun: „Das Prinzip war, möglichst weit weg vom bekannten Umfeld.“

„Der Direx vergewaltigte meine Ohren, indem er darauf Trompete spielte.“

Ein ehemaliger Heimzögling

Ins Heim kamen die Kinder aus unterschiedlichen Gründen, die einen galten als schwer erziehbar, andere waren ganz einfach nur unehelich geboren.

Das Heim sollte Kinder neu strukturieren, und das funktionierte häufig nur über Strafe. Göbel-Braun zitierte beispielsweise einen ehemaligen Hephata-Heimzögling, der berichtete, dass ihm der „Direx die Ohren vergewaltigt hat, indem er damit Trompete spielte“.

Strafe: „Kohlenknien“

Demütigungen und Beschämungen als Strafe waren an der Tagesordnung – harte Regeln mussten durchgesetzt werden. Ohrfeigen waren Standard. Eine Betroffene beschrieb dem Hephata-Direktor das so genannten „Kohlenknien“: Kinder wurden über Stunden, manchmal ganze Nächte, in den Kohlenkeller gesperrt. Beschämend war auch die samstägliche Badeaktion: Mädchen warteten vollständig entkleidet, bis die Badewanne wieder frei war. Alle Kinder mussten das selbe Wasser benutzen. Wer bestraft wurde, durfte erst als Letzter ins Wasser, das zuvor durchaus auch inkontinente Kinder benutzt hatten.

Das Aufarbeiten der Vorkommnisse gestaltet sich nach Angaben von Göbel-Braun als mühsam. Aktenfunde aus jener Zeit seien eher zufällig gewesen. Personalakten beispielsweise mussten nur eine begrenzte Zeit aufbewahrt werden. Die ehemaligen Heimzöglinge erinnerten sich manchmal noch an die Namen einiger Kameraden, eher selten an die derjenigen, denen sie anvertraut waren.

Von Sylke Grede

zurück zur Übersicht: Schwalmstadt

Kommentare

Schwalmstadt aktuell

Tag der offenen Tür auf dem Biohof

Tag der offenen Tür auf dem Biohof

Gilserberg. Wie eine vollautomatische Melkmaschine funktioniert, können Besucher der 750-Jahr-Feier in Gilserberg am Sonntag, 10 Juni, auf dem Biohof …Mehr...

Die Bilderschau brummt

Die Bilderschau brummt

Willingshausen. Als Publikumsmagnet erweist sich die laufende Ausstellung in der Kunsthalle am Gerhardt-von-Reutern-Haus. Mehr als 1700 Besucher …Mehr...

Meist gelesen

  • Heute
  • Letzte 7 Tage
  • Themen

31 Mio. Euro-Projekt: Unternehmer wollen neue Windräder aufstellen

Gilserberg. Die Idee hat ihn schon zu Studentenzeiten fasziniert: Michael Rudewig aus Mengsberg wollte herausfinden, ob ein Windpark im Binnenland eine Chance hat. Heute, 20 Jahre später, weiß er, dass es funktioniert: Er betreibt 31 Windräder, vier davon stehen im Gilserberger Hochland.Mehr...

25-Jährige ist todkrank - trotzdem liebt sie das Leben

Schwalmstadt. Seit zwei Jahren lebt Maria Langstroff aus Treysa in einem Pflegeheim. Die 25-Jährige leidet an einer unheilbaren Muskelerkrankung. Häufig wurde sie mit Behindertenfeindlichkeit konfrontiert. Die Erfahrungen verarbeitete sie in ihrem Buch.Mehr...

Artikel lizenziert durch © hna
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hna.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper