Schwalmstadt. Ein Fragenkatalog an Schwalmstadts Bürgermeister Wilhelm Kröll sorgt derzeit in Schwalmstadt für Gesprächsstoff. Der Verwaltungschef wird darin durch ein Frankfurter Anwaltsbüro aufgefordert, zum Planungsprozess der Entwicklung des Wieragrundes einen Fragenkatalog zu beantworten.
In Auftrag gegeben hat das Schreiben die Schweizer Gesellschaft Converticon, deren Geschäftsführer Martin Knauff aus Bad Hersfeld ist. Das Schriftstück wurde auch den Schwalmstädter Fraktionssprechern zugestellt und liegt der HNA vor.
Darin werden schwere Vorwürfe erhoben, was die Vorplanungen zum Bau des Einkaufszentrums angeht. Es dränge sich der Verdacht auf, dass Kröll „entgegen aller Verfahrensregelungen den favorisierten Investor [die EKZ Wieragrund, Anmerkung der Redaktion] in unzulässiger Weise unterstützte“.
Martin KnauffDie Rede ist von „Vertuschung der Eigentumssituation an den projektnotwendigen Grundstücken“, Zweifel am juristischen Bestand des privatrechtlichen sowie des öffentlich-rechtlichen Verfahrens werden formuliert. Für die Stellungnahme der Stadt wird eine Frist bis 15. Februar gesetzt.
Zugleich wird angekündigt, dass Knauff - Geschäftsführer von Modecentrum Sauer, die 2007 von ihm vorgestellte Planung zum Wieragrund wieder vorantreiben werde. Außerdem wird versichert, die „notwendigen Schritte zur Erlangung des Eigentums an diversen hierfür notwendigen Grundstücken unternehmen zu können“. Übersetzt aus dem Juristen-Deutsch lautet die Bedeutung, dass die Gesellschaft Converticon wieder in die Konkurrenz um den Wieragrund einsteigt und sich in der Lage sieht, entsprechenden Grund und Boden zu bekommen.
Das bestätigte Knauff im Gespräch mit der HNA. Er habe seine Ideen vor Jahren vorgestellt und würde „sie gegebenenfalls wieder aus der Schublade ziehen“. Er, Knauff, betrachte sich als Urheber der Wieragrundentwicklung. Auf die Frage der HNA, ob er ausgebootet wurde, beantwortete der Geschäftsmann mit einem klaren Ja. Knauff: „Das geschah nicht mit kaufmännischen Mitteln, jetzt warte ich auf eine Reaktion.“ Knauff sagte weiter, die Wieragrundstraße wäre für seine Variante nicht nötig gewesen, er halte sie nach wie vor nicht für notwendig, hier hätte die Stadt Millionen einsparen können, so Knauff.
Bürgermeister Wilhelm Kröll sagte auf HNA-Anfrage, er werde sich nicht öffentlich zu dem Vorgang äußern. Das Schreiben der Anwaltskanzlei sei dem Hessischen Städte- und Gemeindebund zur juristischen Prüfung übergeben worden.
Von Anne Quehl



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