Wie Westernhagen nach Hausen kam

Eine Revival-Party erinnert morgen zum Dorfjubiläum an die legendäre Disko „New Dancing“ im Gasthaus Zur Post

Wie Westernhagen nach Hausen kam

401.09.1001.09.10|Schwalmstadt|
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Hausen. Am Anfang standen eine Geburtstagsfeier, ein Plattenspieler, zwei Lautsprecher und 20 Schallplatten. Dieter Merz legte „irgendwann im Jahr 1976 oder 1977“ an einem Samstagnachmittag für eine kleine Feiergesellschaft in der Gaststätte Zur Post in Hausen auf.

Diskjockeys gaben den Takt an: Im Wechsel mit Dieter Merz legte Hans-Walter Böcher (linkes Bild, rechts) Musik auf. Die Tanzfläche im „New Dancing“ war fast immer rappelvoll. Fotos: nh

Diskjockeys gaben den Takt an: Im Wechsel mit Dieter Merz legte Hans-Walter Böcher (linkes Bild, rechts) Musik auf. Die Tanzfläche im „New Dancing“ war fast immer rappelvoll. Fotos: nh

Weil es keine geschlossene Veranstaltung war, trauten sich auch andere Gäste herein, und schnell wurde getanzt. Die Diskothek „New Dancing“ war geboren, einer der ersten Tanzschuppen in der Region überhaupt.

„Wir haben ganz winzig angefangen“, erinnert sich Merz, der als 17-Jähriger im Wechsel mit Hans-Walter Böcher den Diskjockey machte. Mit Postern und Partylichtern wurde der Schankraum ausstaffiert, der Gastwirt schaffte eine größere Musikanlage an, und durch Mundpropaganda kamen immer mehr Leute. Stammgäste setzten sich an die Kasse und organisierten den Thekendienst.

Wie eine riesige Familie

Das „New Dancing“ – woher der Name kam, ist nicht überliefert – zog die Menschen aus den umliegenden Dörfern magisch an. Zu den besten Zeiten kamen jeden Freitagabend über 330 Gäste in das Gasthaus, dann war die Tanzfläche nicht mehr zu sehen. „Es war unglaublich“, sagt Dieter Merz, „alle halfen mit, und es war wie eine riesige Familie“.

Merz fuhr nach Bad Hersfeld, um neue Schallplatten zu kaufen, oder er nahm am Radio Musikmitschnitte auf Kassette auf, die er abends im „New Dancing“ abspielte.

Zu Beginn Sweet, Slade, Smokie, Deep Purple und Whitesnake, später auch Breakdance: Rock und Pop waren in Hausen besonders beliebt.

„Wir haben eigentlich alles querbeet gespielt“, sagt Merz. Bis 22.30 Uhr gab es die Hits aus den aktuellen Charts, dann wurde Hardrock wie AC/DC und Uriah Heep aufgelegt. Und für jeden Gast von 15 bis 40 Jahren war etwas dabei.

Besonders gut kamen schnelle Countrystücke beim Publikum an. Dann griffen sich ein paar Spaßvögel gern auch Stühle und hoppelten wie auf Pferden durch den Saal.

Platte aus Flensburg

Dieter Merz behauptet von sich sogar, als erster im Altkreis Ziegenhain Marius Müller-Westernhagen in einer Disko gespielt zu haben.

Durch Zufall war der Hausener im Februar 1978 in einer Kneipe in Flensburg bei einem Konzert des späteren Stars dabei. Der Eintritt kostete 99 Pfennig, und Merz brachte eine signierte Langspielplatte mit ins „New Dancing“, so wie viele andere Schallplatten aus seiner privaten Sammlung auch.

Kurios wurde es in der Disko, wenn es am Freitagnachmittag eine Beerdigung in Hausen gegeben hatte, die Sargträger in ihren schwarzen Anzügen am Abend noch in einer Saalnische im Gasthaus saßen und sparsam guckten. „Das war schon ulkig anzusehen“, erinnert sich der damalige Diskjockey.

An jedem Diskoabend gab es eine Hitparade mit Verlosung, zum zehnjährigen Bestehen des „New Dancing“ wurde sogar ein gebrauchter Ford Capri als Hauptgewinn verlost. Wenn eine Musikgröße wie Elvis Presley oder John Lennon gestorben war, wurden den ganzen Abend die Songs des Verstorbenen gespielt. Und stolz ist Dieter Merz vor allem darauf, dass sich sehr viele Pärchen in der Hausener Disko kennengelernt haben.

Brote in der Küche

Um die Anwohner nicht zu sehr zu belästigen, war aber immer pünktlich um 1 Uhr Schluss. Danach trafen sich alle Helfer in der Küche der Gastwirtschaft wieder – um zusammen frisch geschmierte Brote zu essen.

Von Jürgen Köcher

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