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Schüler diskutierten Rücktritt: "Wulff war eine Marionette"

Schüler von Schwalmgymnasium und Melanchthon-Schule finden das höchste Amt aber wichtig

Schüler diskutierten Rücktritt: "Wulff war eine Marionette"

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Schwalmstadt. Einstein, seine Relativitätstheorie und die Zeitdilatation standen für eine Schulstunde zurück, als am Freitag, kurz nach 11 Uhr, der Physik-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13 von Frank Siesenop im Schwalmgymnasium zusammenkam.

Wulff

Die angehenden Abiturienten, darunter auch Kursteilnehmer der Melanchthon-Schule Steinatal, kommentierten auf Bitte unserer Zeitung die Affäre Wulff.

Für Marius Keil (18) ist es vor allem die Salamitaktik des zurück getretenen Bundespräsidenten, die im Gedächtnis bleibt. Dass die Entscheidung so kommen musste, war Banknachbar Robert Gläser (18) spätestens am Donnerstagabend bewusst: „Da war es schon klar, dass er zurücktritt.“ Über längere Zeit habe sich gezeigt, dass Wulff einfach nicht die weiße Weste besitze, die ein Staatsoberhaupt haben müsse, sagte der 18-Jährige. Für den 19-jährigen Tobias Jesberg steht die Medienkritik im Vordergrund: „Das Ganze ist größtenteils vom ,Spiegel‘ und der Bildzeitung aufgezogen“, findet er. Das, was ausgegraben wurde, rechtfertige nicht die Folgen, ist Tobias Jesbergs Meinung.

Auch in den Pausen haben sich einige aus der Gruppe der jungen Erwachsenen über Wulff und die Folgen unterhalten. „Das ist schon wichtig“, sagte Björn Keidel (18). Allerdings: „Für uns ist der Abistress jetzt ständig das beherrschende Thema“, unterstreicht Piotr Gestalter. Für seinen Beitrag bekommt der 19-Jährige vom ganzen Kurs ein laute, beipflichtende Lacher.

Wesley Gläser ist argwöhnisch, was mögliche Drahtzieher der Affäre angeht: „Wer hatte es auf Wulff abgesehen?“, fragt er sich. Schließlich würden viele Politiker Vorteil nehmen, zum Beispiel als Aufsichtsräte.

Auch für Anja Brüggemann (18) sind es nicht die eigentlichen Vorwürfe, die Wulff zu Fall brachten, sondern sein Umgang damit, „Glaubwürdigkeit hätte ihn retten können. Wenn er seine Fehler frühzeitig eingestanden hätte, hätte er Vertrauen zurückgewonnen“. So aber sei der Rücktritt unvermeidlich und auch überfällig gewesen, meint die Schülerin.

Das Vertrauen in die Politik allgemein hat dabei in den Augen der Schüler gelitten. „Das Bild der Politiker ist noch stärker beschädigt, als es ohnehin schon war“, formuliert es Marius Keil. „Ein Bundespräsident sollte es einfach nicht nötig haben, die Interessen von Firmen und Unternehmern zu vertreten“, merkt Robert Gläser dazu an. Und wer soll es nun richten? „Horst Schlämmer!“, ruft ein Hinterbänkler zur allgemeinen Erheiterung in die Runde. Aber schnell kommen die jungen Leute wieder zum Punkt.

„Es wird schwierig, einen Nachfolger zu finden“, vermutet Marius Keil. Die Anforderungen an die Person des Bundespräsidenten seien hoch, das habe Wulff wohl unterschätzt. Der Nachfolger sollte vielleicht gar nicht aus der Politik kommen, Wulff sei schließlich von der CDU und der FDP ins Amt gehievt worden, so Arne Bick und Wilhelm Eschen. „Aber unser Land braucht einen Repräsentanten, der keine Marionette ist“, sagt Robert Gläser.

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