9822.08.1022.08.10|Kassel|40 Kommentare
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Kassel. Eine Erfindung wie für das große HNA-Open-Air-Konzert „Kassel erleben“ gemacht: Das Feuerwerk, das (fast) nicht knallt, sondern nur leuchtet. 25.000 Besucher sorgten für einen neuen Besucherrekord und genossen Musik und Feuerwerk.

Als sich zu den Klängen von „Rule Britannia“ aus den „British Sea Songs“ über der Orangerie ein riesige Zahl von Leuchtkörpern zu einer gigantischen funkelnden Kugel blähte, war der Genuss perfekt: Das Lichtspektakel und die musikalische Untermalung durch das Kasseler Staatsorchester und seinen Dirigenten Patrik Ringborg gingen eine faszinierende Verbindung ein.
Das war der Höhepunkt des Konzerts, das auf der voll besetzten Karlswiese von 25 000 Menschen verfolgt wurde - gegenüber 15 000 im Vorjahr.
Hier, wie übrigens schon zuvor beim Rock-Titel „Listen“, der ebenfalls wiederholt wurde, zeigte die Kasseler Opernsopranistin Nina Bernsteiner, dass sie auch als Rock-Röhre Star-Potenzial hat.
Dabei hatte das Konzert diesmal etwas schleppend begonnen. Grund war ein Computer-Absturz in der Sound-Zentrale, der die hinteren Lautsprecher-Anlagen lahmgelegt hatte. Wer etwas weiter von der Bühne entfernt seinen Platz gefunden hatte, konnte das als Eurovisionshymne bekannte Eingangsstück aus Marc-Antoine Charpentiers „Te Deum“ nur wie aus weiter Ferne hören.
Misslicher noch: Moderator Herbert Feuerstein, der anfangs auch am Cembalo mitgewirkt hatte, war zunächst nicht zu verstehen. So erschloss sich dem Publikum auch nicht, warum plötzlich eine schräges Gehupe über den Platz schallte: Es war die Autohupen-Ouvertüre zur satirischen Oper „Le Grand Macabre“ von György Ligeti.
Doch als dann fünf Sätze aus Sergej Prokofiews Ballettmusik „Romeo und Julia“ gespielt wurden, funktionierte die Technik wieder - und auch hinten war waren die Orchesterschläge, bei denen Romeo Tybalt ersticht, klar zu vernehmen.
Zu Prokofjew steuerte Herbert Feuerstein, der kundig und mit feinem Humor durchs Programm führte, bei, dass der Komponist am selben Tag wie der verhasste Diktator Josef Stalin starb - am 5. März 1953.
Richtig an Fahrt gewann das Konzert im zweiten Teil mit Richard Addinsells Warschauer Konzert aus dem Film „Dangerous Moonlight“, der Ouvertüre zu Leonard Bernsteins „Candide“ und Max Steiners Musik zum Film „Now, Yoyager“. Die mitreißenden Titel waren auch klanglich geeigneter für die große Festwiese als die Barockstücke aus dem ersten Teil.
Nun darf man gespannt sein, was Patrik Ringborg und das Staatsorchester beim nächsten Open-Air-Konzert servieren werden. Denn vielfach war zu hören: „Nächstes Jahr sind wir wieder da!“
Von Werner Fritsch

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