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Ärzte kritisieren Drogenhilfe

Mediziner und Verbände widersprechen Aussagen von Geschäftsführerin Angela Waldschmidt

Ärzte kritisieren Drogenhilfe

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Kassel. Scharfe Kritik hat sich die Geschäftsführerin der Drogenhilfe Nordhessen zugezogen. In einem Interview mit der HNA hatte Angela Waldschmidt eine zu großzügige Verordnung der Ersatzdroge Methadon beklagt. Widerspruch kommt von Substitutionsärzten in Kassel sowie von der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) und dem Bundesverband für akzeptierende Drogenhilfe und humane Drogenpolitik (Akzept).

Ersatzdroge: Ein Patient trinkt in einer Suchteinrichtung in Frankfurt einen Becher mit Methadon. Über die Substitutionstherapie gibt es unterschiedliche Auffassungen. Archivfotos: dpa, Michaelis, privat

Ersatzdroge: Ein Patient trinkt in einer Suchteinrichtung in Frankfurt einen Becher mit Methadon. Über die Substitutionstherapie gibt es unterschiedliche Auffassungen. Archivfotos: dpa, Michaelis, privat

In Deutschland würden 30 bis 50 Prozent aller Konsumenten von Opiaten wie Heroin mit Medikamenten wie Methadon behandelt. „Dies ist keine Behandlung nach dem Gießkannenprinzip“, sagte DAH-Geschäftsführerin Silke Klumb. Keine andere Behandlungsform unterliege so strengen gesetzlichen und kassenrechtlichen Regelungen.

Kritik an Polizeipräsident

Der Kasseler Substitutionsarzt Dr. Bernd Weber verweist auf wissenschaftliche Studien, die den Erfolg der Methadonbehandlung stützten. Er kritisiert auch Aussagen von Polizeipräsident Wilfried Henning, wonach Substitutionsbehandlungen die Beschaffungskriminalität nicht eindämmen würden. „Das deckt sich nicht mit wissenschaftlichen Erhebungen“, sagt Weber. Ohne Kenntnis wissenschaftlicher Daten halte Henning die Substitution für keine gute Therapieform. Weber betreibt eine Schwerpunktpraxis für Suchtmedizin mit etwa 100 Substitutionspatienten. Zudem ist er im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin.

Weber zeigte sich verwundert, dass Waldschmidt als eigentliche Expertin „sämtliche wissenschaftliche Daten scheinbar ignoriert“. Einen derartigen öffentlichen Rundumschlag gegen die Substitutionstherapie könne er nicht akzeptieren.

Nach Angaben von Akzept-Geschäftsführerin Christine Kluge Haberkorn sei dokumentiert, dass die Substitutionsbehandlung zu einer sinkenden Kriminalitätsrate führe. Waldschmidts Äußerungen seien „nahezu menschenverachtend“. Haberkorn macht darin einen Ton aus, der von einer „bedenklich negativen Haltung gegenüber Klienten“ zeuge.

Die Darstellung des Themas sei in Teilen verzerrt, teilte der Kasseler Arzt Dr. Peter Horstmann mit und forderte eine differenzierte Betrachtung. Er stimmte Waldschmidt in dem Punkt zu, dass die psycho-soziale Betreuung

der ausschlaggebende Faktor einer erfolgreichen Drogentherapie sei.

Weg zur Drogenfreiheit

Aber es sei nicht so, dass ambulante Substitution und stationäre Entgiftung in Konkurrenz stünden. „Für jeden Patienten müssen die Behandlungsformen erwogen werden“, sagte Horstmann. Eine vollständige Drogenfreiheit sei zunächst unrealistisch. „Das Ziel und der Weg dorthin müssen darüber hinaus oftmals angepasst werden.“

Von Claas Michaelis

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