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Kassel. Bildung für jedermann, unabhängig von Ausbildung und gesellschaftlichem Stand – das macht sich seit 90 Jahren die Volkshochschule (Vhs) Kassel zur Aufgabe.

© HNA
Gründerzeit: 1919 versammelte sich der Verein Volkshochschule Kassel im „Herkulesbräu“ an der Oberen Königsstraße. Archivfoto: nh
Gegründet wird die Vhs Kassel am 1. Mai 1919 als Verein Volkshochschule Cassel. An der Gründung nehmen Personen aus allen in Kassel einflussreichen gesellschaftlichen Gruppen teil.
Anlass für die Gründung ist die einhellige Meinung, dass mit dem Ende des Kaiserreichs und der zaghaften Einführung demokratischer Verhältnisse der Bildungsstandard aller gesellschaftlichen Schichten erhöht werden müsse.
Die Mitglieder treffen sich im Lokal „Herkulesbräu“ an der Oberen Königsstraße 30. Die Unterrichtsräume der jungen Vhs sind in den Räumen der Murhardschen Bibliothek am heutigen Brüder-Grimm-Platz untergebracht.
Politisch gibt es mindestens zwei Auffassungen über den Zweck der Bildungseinrichtung. Vertreter der Arbeiterorganisationen sind am Ausgleich von Bildungsunterschieden interessiert, das bürgerliche Lager an der grundsätzlichen Charakter- und Menschenbildung.
Einer der ersten Förderer des Volkshochschulgedankens in Kassel ist der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann. Als Reichsministerpräsident und als Kasseler Oberbürgermeister bleibt er der Vhs eng verbunden. Männer und Frauen aller Schichten haben in den Abendkursen die Möglichkeit, sich politisch, kulturell und lebenspraktisch zu bilden. 1920 veranstaltet die Vhs ihren ersten Ferienkurs im Klappholtal auf Sylt – in einem „Barackenlager“ neben dem großbürgerlichen Westerland.
Zwei Jahre später entsteht auf der Wenigenburg in Gudensberg ein neues Volkshochschulheim, das zu einem bedeutenden Tagungsort der deutschen Jugendbewegung wird. Im Wintersemester 1930/31 hat die Vhs Kassel in 68 Veranstaltungen insgesamt 1400 Teilnehmer.
1933 wird die deutsche Volkshochschullandschaft und so auch die Kasseler Vhs zerschlagen. 1946 wird sie von Hermann Schafft neu gegründet – hinzu kommt eine Volkshochschulgründung im damaligen Altkreis Kassel.
Heute erinnern das Philipp-Scheidemann-Haus an der Holländischen Straße, sowie das Hermann-Schafft-Haus an der Wilhelmshöher Allee an die beiden Förderer des Volkshochschulgedankens in der Region Kassel.
1964 wird das neue Volkshochschulgebäude an der Wilhelmshöher Allee 21 eröffnet. 1972 wird es die Zentrale der Gesamtvolkshochschule Kassel, unter deren Dach auch das Jugendbildungswerk und die Bürgerhäuser organisiert sind.
Im durch die Gebietsreform neu entstandenen Landkreis Kassel entsteht eine eigenständige Volkshochschule für den Landkreis. 2007 schließen sich die beiden Volkshochschulen zur Vhs Region Kassel zusammen.
Das aktuelle Programm und weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.vhs-nordhessen.de
Von Jan Baetz

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