1003.06.1003.06.10|Kassel|1 Kommentar
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Fuldatal. Die Wut vieler Eltern in Fuldatal ist groß. Sie entlud sich während einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Bürgersaal in Ihringshausen. Dorthin hatte Bürgermeisterin Anne Werderich eingeladen, um über die Situation in den Kindertagesstätten zu berichten.

© Socher
Genaue Untersuchung: Schadstoffexperte Hans-Joachim Marciniak in einem Gruppenraum der Kita Weddel auf der Suche nach den Ursachen für die hohe Asbestbelastung in der Raumluft. Die Aufnahme wurde von außen durch das Fenster gemacht.
Zu Wochenbeginn musste die Einrichtung Weddel in Ihringshausen wegen Asbestbelastung geschlossen werden.
An zum Teil massiven Vorwürfen konnten auch die Erklärungen der Bürgermeisterin, von einem Umweltberater und dem Gesundheitsamt (siehe Artikel unten) nichts ändern. Als Eltern schließe man einen Betreuungsvertrag mit der Gemeinde, die habe eine Fürsorgepflicht, meinte Lars Arend, dessen Sohn seit drei Jahren die Kita Weddel besucht.
Und wenn bekannt sei, dass asbesthaltiges Material verbaut wurde, „ist es die Pflicht der Gemeinde, das Gebäude zu überprüfen. Da hilft es nicht zu sagen, man habe von der Gefahr nichts gewusst“. Wie auch andere Eltern behielt sich Arend vor, bei einem später auftretenden gesundheitlichen Schaden seines Sohnes die Gemeinde zu verklagen.
Warum werde im Innern des Kindergartens nicht regelmäßig die Raumluft überprüft und gemessen? fragte Yvonne Schade. Und Richtung Bürgermeisterin und Verwaltung meinte sie: „Ich verstehe nicht, warum die Ängste der Eltern nicht ernst genommen wurden.“
Nicht nur das, sagte Daniel Böcker, Vater zweier Kinder, die die Kita Weddel besuchen. Werderich habe „alles heruntergespielt. Erst als die Bauarbeiten gestoppt wurden, haben wir von dem Asbest erfahren, und dann gab es einen verharmlosenden Handzettel für uns Eltern.“
So sah es auch Susanne Sturmberg-Seeger, „das Vertrauen zur Gemeinde sei zerstört. Ich will jetzt alles lückenlos wissen.“ Und auch die Mitarbeiterinnen in der Kita sollten künftig Auskunft geben und nicht nur ans Rathaus verweisen.
„Es war eine Schweinerei, dass Bauarbeiten an der Kita stattfanden, während sich drinnen die Kinder und die Mitarbeiter aufhielten“, meint Ramona Schmidt. Und Markus Schmidt unterstreicht: „Die Kita Weddel hätte früher geschlossen werden müssen.“ Dass etwas falsch gelaufen sei, dafür habe die Bürgermeisterin wenigstens die Verantwortung übernommen.
„Wir haben einen Fehler gemacht, bei der Bauleitung ist eine Schlamperei passiert“, stellte Werderich klar. Damit meinte sie das unsachgemäße Entfernen von asbesthaltigen Schindeln an der Außenfassade. „Aber wir haben nichts totgeschwiegen.“
Es habe keinen Verdacht gegeben, dass im Innern eine Belastung vorliegen könne. Schließlich gelte, dass der außen in Zementplatten gebundene Asbest unschädlich sei, solange mit dem Material nicht gearbeitet werde.
Sie verstehe durchaus die Aufregung der Eltern. Die Gemeinde werde nun alle Kitas lückenlos überprüfen und versuchen, noch transparenter vorzugehen. Zum Beispiel sollen die Werte über die Asbestmessungen möglichst bis Sonntag auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht werden. Schließlich sollen die Kinder vom Weddel dann in den anderen vier Kitas der Gemeinde betreut werden, wenn dort keine Asbestgefahr festgestellt wird.
Von Michael Schräer
Asbest wird erst zum Problem, wenn Baustoffe beschädigt werden
Seit 1979 ist die Verwendung von asbesthaltigem Spritzbeton in Westdeutschland verboten. In Altgebäuden sind die krebserregenden Fasern aber noch immer vorhanden, weshalb in den Gebäuden der Kommunen im Landkreis Asbest nach wie vor ein Thema ist. Aber: Asbest ist ungefährlich, solange es in den Baustoffen eingesperrt bleibt und nicht durch Sägen, Bohren oder Zertrümmern freigesetzt wird.
Beispiel Lohfelden: Im Vorjahr wurden alle Kitas und das Rathaus auf Gefahrstoffe untersucht, berichtet Ingenieurin Jutta Kothe vom Bauhof. Die Raumluft war überall asbestfrei, aber etwa in Brandschutztüren wurde das wegen seiner Hitze- und Säurefestigkeit einst als Wunderbaustoff gefeierte Giftzeug gefunden.
Alle asbestverseuchten Teile kamen in ein Gefahrstoffkataster, das vor jeder Sanierung zurate gezogen wird, schilderte Kothe das Verfahren. Bei Sanierungen würden diese Teile ausgetauscht, ohne sie zu beschädigen.
In der Stadt Kassel hat es in den 90er-Jahren insgesamt 290 Untersuchungen in 30 Objekten durch ein unabhängiges Institut gegeben, sagt Hans-Joachim Neukäter, Leiter des Hochbauamtes. In sechs Gebäuden, Turnhallen und Schulen sei man fündig geworden. Sie wurden saniert. Flächendeckend habe die Stadt ein Schadstoffkataster erstellt, für das insgesamt 8000 Untersuchungen erforderlich waren. Die Stadt hat laut Neukäter eine Schadstoff AG eingerichtet unter Beteiligung des Gesundheitsamtes.
Diese werde bei Verdacht auf Schadstoffe eingeschaltet. In Baunatal waren alle Gebäude Anfang der 90er-Jahre überprüft worden, berichtete Verwaltungssprecher Roger Lutzi. Seither sei nirgendwo mehr Asbest gemessen worden. Im Kaufunger Rathaus, das gegenwärtig saniert wird, sei Asbest in alten Fensterbänken, Brandschutztüren und der Fassade gefunden worden, berichtete Bürgermeister Peter Klein. Die Materialien seien inzwischen ausgetauscht worden.
In den Kindertagesstätten Feldhof, Schöne Aussicht und Zwergenburg sei in Baustoffen gebundenes Asbest festgestellt worden, das aber nicht in die Raumluft gelange, solange hier nicht gesägt oder gebohrt werde. Daher drohe keine Gefahr. (tom/mic)

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