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Desaster-Damen schlagen Blutgretchen

Dynamo Windrad hatte zur Frauen-Bolz-WM auf Waldauer Wiesen eingeladen - Frauen zwischen 16 und 50 kickten um den Titel

Desaster-Damen schlagen Blutgretchen

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Kassel. Die 34-jährige Dhiviya hat einen langen Weg auf sich genommen, um an der Bolz-Weltmeisterschaft der Frauen auf den Waldauer Wiesen teilzunehmen. Sie ist von Neu Delhi nach Kassel gekommen, um beim Turnier des Freizeitsportclubs Dynamo Windrad zu kicken. Dabei hat Dhiviya noch nie zuvor in ihrem Leben Fußball gespielt. In Indien sei Kricket angesagt, sagt die 34-Jährige. Fußball, geschweige denn Frauenfußball, gebe es nur selten.

Käthes Tanten aus Köln wurden WM-Vierter: Susi Rams (vorne, links) und Ilona Lange köpfen sich den Ball zu. Das beobachten ihre Mitspielerinnen Carolin Morell (hinten, von links), Katreen Schulte, Maike Spanger, Katja Staebner, Nassrin El Karoui und Christine Geers. Fotos:  Malmus

Käthes Tanten aus Köln wurden WM-Vierter: Susi Rams (vorne, links) und Ilona Lange köpfen sich den Ball zu. Das beobachten ihre Mitspielerinnen Carolin Morell (hinten, von links), Katreen Schulte, Maike Spanger, Katja Staebner, Nassrin El Karoui und Christine Geers. Fotos:  Malmus

Von dem Turnier in Kassel hat Dhiviya, die sich in Indien um Gewaltpräventionsprojekte kümmert, von Mitarbeiterinnen des Kasseler Frauenhauses gehört, mit denen sie beruflich in Kontakt steht. Sie möge den „Geist des Kasseler Turniers“. Deshalb spiele sie bei dem alternativen Fußballfest mit. Ebenso wie Bewohnerinnen des Kasseler Frauenhauses.

Acht Mannschaften mit Frauen aus ganz Deutschland haben am Wochenende um den Titel gekämpft. Frauen im Alter zwischen 16 und 50 waren dabei, sagt Anja Hauke, die beim Gastgeberteam der „Dynamitas“ kickt. Vergleiche zum Männerfußball mag sie nicht ziehen. „Das ist schwierig. Die haben doch eine ganz andere Tradition.“ Die meisten Jungs fingen doch schon im Alter von fünf Jahren mit Fußball an.

Seit fünf Jahren trainiert Caro Morell (32). Bis vor einem Jahr hat sie bei den „Dynamitas“ von Dynamo Windrad gespielt. Jetzt wohnt sie in Köln und kickt bei „Käthes Tanten“. Das sind Frauen, die überaus viel Spaß und Freude an ihrem Hobby haben. Seit fünf Jahren gibt es dieses Team.

Weil eine Spielerin ähnliche Locken wie Rudi Völler (der trägt den Spitznamen Tante Käthe) hatte, wollten sich die Frauen erst „Tante Käthes Töchter“ nennen. Das war aber zu kompliziert. Ganz unkompliziert nehmen Käthes Tanten allerdings ihre grünen Handtaschen mit Vereinslogo mit aufs Spielfeld. Da ist alles drin, was man so als Spielerin braucht: zum Beispiel Schokoladenriegel.

Stürmerin Morell hätte erwartet, dass mehr Zuschauer zu den Spielen auf den Waldauer Wiesen kommen. „Im Moment boomt es doch mit dem Frauenfußball.“

Manchmal sei sie von Vorurteilen über Frauenfußball genervt, sagt Morell. Die Zuschauer, die bei der Bolz-WM in Waldau dabei seien, klopften aber keine dummen Sprüche.

Rund 150 Zuschauer verfolgten gestern Mittag bei Regen das Halbfinale und Finale der Weltmeisterschaft. „Käthes Tanten“ verloren zwar mit 0:1 das Halbfinale gegen die „Dynamitas“, aber nicht den Spaß am Spiel. Bolz-Weltmeister wurde schließlich das Team „Desaster“ aus Kassel. Die Desaster-Damen gewannen mit 2:0 gegen die „Blutgretchen“ aus Düsseldorf.

Dhiviya aus Delhi kam mit ihrem Team „Sisis Schicksal“ nur auf den letzten Platz. Die Inderin will aber wiederkommen. Zur nächsten Weltmeisterschaft von Dynamo Windrad.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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