502.09.1002.09.10|Kassel|6 Kommentare
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Kassel. Die Stadt hat ihn vergessen. Umgekehrt konnte René Olfen es nie. Auch nicht auf seinen weltweiten Tourneen, die ihn auch in die ferne Südsee führten.
„Grüß mir die Heimat mit dem Herkules“ heißt seine Sehnsuchts-Hymne an die Fulda-Stadt. 20 Jahre nach dem Tod des Kasseler Musikers, Tänzers, Schauspielers, Dichters und Malers, der in den Vorkriegsjahren auch von der Ufa engagiert wurde, sprachen wir einen der letzten und auch wenigen Menschen, die zu Lebzeiten näher an Olfen herangekommen waren.
Werner Baus (67) erschrak, als er Ende der 60er-Jahre den damals 70-jährigen Mann fand, dessen Kassel-Lied ihm seit Schultagen nicht aus dem Kopf gegangen war. Baus besuchte Olfen, der als Sohn eines Lokführers unter dem bürgerlichen Namen Heinrich Schmidt 1898 in Marburg geboren und in Kassel aufgewachsen war, in einer heruntergekommenen Gartenlaube am nördlichen Stadtrand an der Fiedlerstraße.
„Es war entsetzlich, ihn so zu sehen.“ Werner Baus, Zeitzeuge
Kurz gesagt, Baus lernte einen Menschen kennen, den Glanz und Glamour verlassen hatten und der sich mit Pfeife und Liegestuhl auf das besann, was er immer schon am liebsten getan hatte: Träumen. Eine Balalaika, mit der Olfen auf vielen Bühnen gespielt hatte, und eine selbstgemalte Südsee-Idylle an der Tapete waren letzte Erinnerungen an die goldenen Zeiten. Letztere waren im Krieg geendet, in dem auch Olfens Schwester im Bombenangriff auf Kassel umkam. Trotz Gesangsstudium und Tanzausbildung blieben große Erfolge nun aus.
Am 21. Oktober 1990 starb René Olfen. Seitdem erzählt er vermutlich Petrus von der Südsee. Das hatte er sich für seinen Tod vorgenommen.
Von Bastian Ludwig

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