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Familiendrama in Bad Wilhelmshöhe: Psychologen erklären, wie Kinder tragische Ereignisse verarbeiten

Familiendrama in Bad Wilhelmshöhe: Psychologen erklären, wie Kinder tragische Ereignisse verarbeiten

Nach dem Familiendrama: „Kinder trauern anders“

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Kassel. Was am Sonntagabend in Bad Wilhelmshöhe geschah, ist auch für Psychologen unfassbar. Doch ihre Hilfe ist nun für die Aufarbeitung des Familiendramas gefragt – zum Beispiel in der Kindertagesstätte, in die die beiden getöteten Jungen gingen.

Dort müssen Erzieherinnen und Eltern den Kindern erklären, warum ihre Spielkameraden nicht zurückkommen.

Betrieben werde die Kita von einem freien Träger, sagt die Leiterin des Jugendamts, Judith Osterbrink. Dennoch biete die Stadt Unterstützung an. Bei Bedarf stehe Diplom-Psychologin Fenn Felstehausen der Kita zur Seite. Seit 2002 betreut die 41-Jährige die städtischen Kindertagesstätten psychologisch.

Pro Jahr sehe sie etwa 140 Kinder. Häufig werde sie bei Verhaltensauffälligkeiten eingeschaltet, aber das Thema Tod – auch von Elternteilen – spiele immer mal wieder eine Rolle. „Kinder trauern anders“, sagt Felstehausen. „Sie trauern in Phasen.“ Für Erwachsene sei dann nur schwer zu verstehen, dass Kinder vom einen auf den anderen Moment plötzlich wieder fröhlich sind und lachen. Doch das seien Schutzphasen.

Eine wirkliche Vorstellung vom Tod bekämen Kinder etwa ab dem achten Lebensjahr, sagt Frank Berkofsky, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes beim Gesundheitsamt Region Kassel. Wie sehr ihr Weltbild traumatisiert und erschüttert worden ist, sei jedoch individuell sehr verschieden. Im Kindergartenalter betrachteten Kinder den Tod in der Regel als etwas, das rückgängig zu machen sei, sagt Felstehausen.

In jedem Fall sollten Eltern mit ihren Kindern sprechen, wenn sie von derart schlimmen Ereignissen erfahren wie dem Familiendrama. Dabei sollten Erwachsene nicht versuchen, ihre eigene Unwissenheit zu vertuschen, rät Felstehausen. „Man muss auch ehrlich sagen, dass man etwas nicht weiß.“ Gerüchte und Mutmaßungen würden Kinder eher ängstigen. „Pseudo-Antworten helfen nicht“, sagt Berkofsky. „Aber es ist wichtig, weiter nach Antworten zu suchen.“

Dazu bräuchten direkt betroffene Kinder einen geschützten Raum, in dem ein Stück Normalität herrsche. Die Kindertagesstätte könne dieser Raum sein, sagt Felstehausen. Deswegen sei es wichtig, dass dieser Schutzraum zum Beispiel von Medienvertretern respektiert werde.

Diesem Appell hat sich Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne) angeschlossen. Sie bat um Sensibilität bei der weiteren Berichterstattung. Eltern, Kinder und Erzieherinnen der Kindertagesstätte verdienten Schutz. Mit Blick auf die Mutter und Großmutter der getöteten Jungen sagte Janz: „Es reicht, wenn zwei Menschen schwer traumatisiert sind.“

Von Claas Michaelis

Video: Entsetzen über das Familiendrama

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Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

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