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Über die Ausbildung und tägliche Arbeit von Gebärdensprachdolmetschern

Gebärdensprachdolmetscher: Mittler zwischen zwei Welten

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Kassel. Egal, ob beim Arzt, bei einem Beratungsgespräch, Behördengang, Gerichtstermin oder aber wenn sie sich weiterbilden beziehungsweise an einer politischen oder kulturellen Veranstaltung teilnehmen wollen, überall benötigen Gehörlose die Hilfe eines Gebärdensprachdolmetschers.

© Archiv: Fischer

Hohe physische Belastung: Der Beruf des Gebärdendolmetschers fordert einiges ab.

Denn ihre Ansprechpartner beherrschen in der Regel nicht die Gebärdensprache. Gebärdensprachdolmetscher ist ein relativ junger Beruf. Es gibt ihn offiziell erst seit acht Jahren, da erst 2002 die Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt wurde.

Davor mussten Gehörlose sich auf die Hilfe ihrer Angehörigen oder Kinder verlassen, die in das Übersetzen hineinwuchsen und es manchmal auch zum Beruf machten.

Waldemar Schwabeland (44) ist so ein „Coda“ (Child of deaf adults/Kind gehörloser Eltern), so der Fachbegriff für diese Gruppe. In Fuldabrück unterhält er „ein kleines Übersetzungsbüro“, wie er es nennt. „Die Gebärdensprache ist meine Muttersprache, denn bevor ich richtig sprechen konnte, konnte ich mich mit Gebärden ausdrücken“, sagt er.

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Früher übersetzte Schwabeland nur für seine Eltern. Doch die Anfragen von Behörden, Krankenkassen und Betrieben häuften sich, so dass er 2000 beschloss, sich als Gebärdensprachdolmetscher selbstständig zu machen. Als die Sprache 2002 offiziell anerkannt wurde, hat er eine Ausbildung zum zertifizierten Dolmetscher nachgeholt.

Ganz anders der Werdegang von Schwabelands Praktikanten Christoph Giesecke (22). Er hat in einem Studienführer gelesen, dass man an der Universität in Magdeburg Gebärdensprache studieren kann und sich für den Studiengang entschieden. „Es bleiben nicht viele dabei“, sagt er, „die meisten, weil sie die körperliche Anstrengung unterschätzen. Die Belastung für die Arme ist schon enorm.“

Sprechen mit dem Gesicht Doch nicht nur das Sprechen mit den Händen will erlernt sein. „Wir sprechen auch mit dem Gesicht, denn damit drücken wir die Ernsthaftigkeit oder das Humorvolle einer Bemerkung aus“, sagt Giesecke.

Der Satz ‘Was für ein Tag!’ kann ja euphorisch oder ironisch gemeint sein.“ „Wir Gebärdensprachdolmetscher verstehen uns als Mittler zwischen zwei Welten“, sagt Schwabeland, der mit seiner Berufswahl sehr glücklich ist, im Gespräch nur mit Hörenden seine Hände aber weit weniger benutzt, als man vermuten sollte.

Ein typischer Tag sieht für ihn folgendermaßen aus: „Heute übersetze ich bei einer Betriebsversammlung, anschließend bei einer Krankenkasse und am Abend noch auf einer Elternversammlung“. Mehr als vier Aufträge an einem Tag kann ein Gebärdensprachdolmetscher nicht annehmen. Für ein Übersetzungsgespräch erhält er nach dem Sozialgesetzbuch /SGB) 55 Euro pro Stunde.

Nach einer Stunde Übersetzen muss eine Pause eingelegt oder an einen Kollegen übergeben werden. Die physische Belastung ist sehr groß in diesem Beruf.

Von Wilhelm Ditzel

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