3225.03.1025.03.10|Kassel|41 Kommentare
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Kassel. Die Tage des Henschelhauses auf dem Königsplatz sind gezählt. Nach Ostern beginnen die Abrissarbeiten. An den Plänen für den Neubau, der für die Modekette Peek & Cloppenburg entsteht, wurde bis zuletzt gefeilt. Nun liegt der preisgekrönte Fassadenentwurf auf dem Tisch.

Unter einem Dach: An der Wolfsschlucht wird die historische Fassade des Henschelhauses rekonstruiert. An der Kölnischen Straße (die hier auf einer Ebene mit der Wolfsschlucht dargestellt ist) stoßen beide Gebäudeteile aneinander. Illustrationen: Roller Architekten
„Moderne und historisierende Fassadengestaltung werden zu einem Ganzen verbunden“, versprechen die Bauherren, die Berliner Bauwert Investment Group. Vorausgegangen war ein von Bauwert gemeinsam mit der Stadt Kassel ausgeschriebener Wettbewerb für die Fassadengestaltung, den der Kasseler Architekt Friedemann Roller (Roller Architekten) gewonnen hat. Die Fassade des ursprünglich neoklassizistischen Henschelhauses aus dem Jahr 1921, die bereits nach dem Krieg schon einmal wiederaufgebaut wurde, wird zunächst abgerissen, als moderne Natursteinfassade wiederhergestellt und in den Neubau integriert.
Der historische Teil des Henschelhauses wird also rekonstruiert. Ihn zu erhalten wäre hochkompliziert und „unverhältnismäßig teuer“ gewesen, sagt Roller. Die Alternative, zwischen Alt- und Neubau genügend Abstand zu halten, hätte einen zu großen Flächenverlust bedeutet.
Im vergangenen Jahr hatte die Berliner Bauwert Investment Group das Objekt Königsplatz 55 von der Deka Immobilien GmbH erworben, um hier einen Neubau für die Modekette Peek & Cloppenburg zu errichten. Auf dem 1570 Quadratmeter großen Grundstück wird ein Gebäude für das Modehaus mit insgesamt 7300 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Der Bauherr investiert 29 Millionen Euro in das Projekt, das die Grundstücke entlang der Kölnischen Straße, Wolfsschlucht und Lyceumsplatz umfasst. Im Herbst 2011 soll Eröffnung sein.
Auf dem Königsplatz greift der Neubau die Höhenlinien des Nachbarhauses mit dem Kaskade-Kino auf. Auch das Vordach läuft durch. Aus gestalterischen Gründen zeigt die Fassade vier Geschosse, tatsächlich sind es nur drei. Zwei sowie das Untergeschoss werden von Peek & Cloppenburg als Verkaufsräume belegt. Das dritte Obergeschoss dient der Geschäftsführung. Hinzu kommen Nebenräume sowie ein Technikgeschoss.
„Es ist toll, dass wir für den wichtigsten Platz in Kassel zeitgemäße Architektur entwerfen können“, sagt der Architekt. Und dass es gelungen sei, die komplexen Anforderungen zu erfüllen, 50er-Jahre, barocke Architektur und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut zu bringen.
An dem Wettbewerb hatten sich fünf eingeladene Büros beteiligt. Drei aus Kassel (Roller Architekten, Reichel Architekten und Atelier 30) sowie zwei aus Berlin. Der Jury gehörten Vertreter des Bauherrn, der Stadt Kassel, Prof. Berthold Penkhues und als Vorsitzender Prof. Jochem Jourdan an.
Von Christina Hein und Ellen Schwaab
Die Stadt hatte den Erhalt oder die Rekonstruktion der historischen Fassade zur Bedingung gemacht. Holzfenster, Stuckelemente und Türen werden sich in der Rekonstruktion wiederfinden, lediglich die Dachfenster (Gauben) und -eindeckung zeigen moderne Anklänge. Das Dach wird mit kleinteiligem Zinkblech gedeckt, die Gauben bekommen Stahlrahmen. Die Fassade, bislang rosa, wird in einem hellen Beigeton verputzt. Er entspricht laut Roller dem historischen Befund aus den 20er-Jahren. Der Farbton setzt sich in der Kalksteinfassade des modernen Gebäudeteils auf dem Königsplatz fort. Beide Gebäudeteile werden durch das Dach miteinander verbunden, das dank einer durchlaufenden Fuge über dem Komplex zu schweben scheint. Auch innen sollen hochwertige Materialien zum Einsatz kommen: Echtholzparkett und komfortable Ruhezonen. Die Verkaufsgeschosse werden klimatisiert, die oberen Büroräume nicht. Verstellbare Glaslamellen im Dachgeschoss sorgen für ausreichend Licht und eine natürliche Belüftung. (els/chr)

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