024.08.1024.08.10|Kassel|2 Kommentare
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Mitte. Richtig wohl scheinen sich die Tauben im Kasseler Rathaus zu fühlen. Vor etwa vier Jahren hat die Stadt hoch oben unter dem Dach einen Taubenschlag gebaut, der nicht allein den Vögeln das Leben verschönern soll. Viel wichtiger ist, dass mittlerweile viele Gebäude in der Innenstadt deutlich weniger durch Kot verdreckt seien, sagt Lothar Pflüger vom Ordnungsamt. Derzeit leben im Rathaus etwa 120 Tauben, Platz wäre für ungefähr 150.

Kontrolle über Nachwuchs: Walter Vollmar hat einen Jungvogel und ein Gipsei in der Hand. Im Hintergrund stehen Lothar Pflüger vom Ordnungsamt und Wolfgang Schwerdtfeger, Mitarbeiter von Bürgermeister Jürgen Kaiser. Foto: Herzog
In erster Linie ist dafür Walter Vollmar verantwortlich. Jede Woche schleppt er ehrenamtlich säckeweise Futter über die schmale Treppe hinauf unters Dach. Etwa 30 Kilogramm verputzen die Tauben pro Woche. Einmal im Monat säubert er den Schlag.
Häufiger noch funkt er den Tauben bei der Familienplanung dazwischen, wenn er die Gelege durch Gipseier ersetzt. Unter optimalen Bedingungen hat ein Pärchen jedes Jahr zehn bis zwölf Junge, sagt Vollmar. „Es ist enorm, wie schnell die wachsen.“ Nach 28 Tagen unternehme ein Jungtier erste Flugversuche.
Durch die Geburtenkontrolle reduziert er die Zahl der Nachkommen auf ein bis drei Junge. „Wenn man die Eier immer wegnimmt, würden sie ganz weggehen“, erklärt Vollmar. Dann gebe es keine Möglichkeit mehr, die Fortpflanzung zu kontrollieren.
Tauben sind Walter Vollmars Leidenschaft. Daheim in Fuldatal hat er einen Schlag, in dem etwa 200 Tiere Platz finden. Als Jugendlicher vor etwa 30 Jahren hat er angefangen, Brieftauben zu züchten. Im eigentlichen Leben arbeitet er im Amt für Vermessung und Geoinformation.
Durch Vollmars Engagement lässt sich das Taubenproblem relativ kostengünstig bekämpfen. 8000 Euro hat die Stadt vor vier Jahren in den Bau des Taubenschlags investiert. Für Futter werden etwa 2500 Euro pro Jahr fällig. Noch wichtiger ist aber, was sich dadurch an Gebäuden sparen lässt. Pflüger berichtet, dass manche Firma in der Innenstadt 20 000 Euro pro Reinigung ausgeben muss.
Denn der Schlag unter dem Rathaus-Dach reicht längst nicht für alle Tauben. Als weiterer Standort wäre der Königsplatz optimal, sagt Lothar Pflüger. „Neue Schläge müssen wir da bauen, wo Brennpunkte sind.“ Einer sei auch nahe der Uni in der Nordstadt.
Pflüger fordert Immobilienbesitzer auf, die Stadt beim Bau neuer Taubenschläge zu unterstützen. Im eigenen Interesse sollten sie dazu Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. „Wir hoffen auch auf die Geschäftsleute“, sagt Pflüger. Die Baukosten würde die Stadt übernehmen. Dann müssten nur noch Lösungen für den Unterhalt gefunden werden. Vorbild für Kassel könne Augsburg sein, wo es mehrere Taubenschläge gebe.
Kontakt: Stadt Kassel, Lothar Pflüger, Tel. 05 61 / 78 77 029
Von Claas Michaelis

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