2403.08.1003.08.10|Kassel|46 Kommentare
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Kassel. Es ist zu verlockend: Mit ihren kleinen Händen schlägt Emma gegen die streifenfrei geputzte Scheibe der Drehtür in den City-Point. Das Ding bleibt abrupt stehen und mit ihm die Menschen darin.

Planschen im Kaufhaus-Brunnen: Weil es in der Kasseler Innenstadt nicht viele Attraktionen für Kinder gibt, sucht sich die fünfjährige Emma (rechts) selbst welche. Die Mütter Nora Ramlow (links) und Maike Sonntag mit der einjährigen Helen wünschen sich mehr Kinderfreundlichkeit. Foto: Ludwig
Auf die Frage, in welchen Situationen sie Kinderunfreundlichkeit spüren, fallen den Frauen mehrere Dinge ein: Angefangen bei der Suche nach einem Kindergartenplatz, über fehlende Wickelräume selbst in größeren Geschäften bis zu Kreuzungen, Fahrstühlen und Zügen, die nicht für Kinderwagen gemacht sind. Was Nora und Maike aber weitaus mehr stört, sind die negativen Reaktionen in der Öffentlichkeit.
Nora und Maike sitzen in einem Café, Helens Kinderwagen macht das Durchkommen zwischen den Tischen schwer. Aber Helen will sowieso nicht länger liegen bleiben, sondern lieber das Café auf allen Vieren erkunden. Auch Emma hat Langeweile, und so flitzt sie zwischen den Gästen herum. Die Bedienung lächelt nett, einige Gäste weniger, sie schauen fragend zu den Müttern herüber.
Solche Situationen haben die Freundinnen oft erlebt: an der Supermarktkasse, in der Bahn, im Wartezimmer beim Arzt. „Meistens sagen die Leute nichts, schauen aber genervt“, sagt die alleinerziehende Nora, die wieder halbe Tage bei VW Coaching arbeitet. Und Maike ergänzt: „Du musst immer sagen: Vorsicht, nichts anfassen. Nirgendwo in der Stadt kannst du Kinder mal machen lassen. Welches Kind sitzt schon still?“ Einige andere Städte seien attraktiver für Kinder, dort gebe es zum Teil Spielecken in den Cafés oder zumindest Bereiche, in denen sich Kinder frei bewegen könnten, ohne andere Menschen zu stören. Beim Urlaub im Süden haben die Kasselerinnen erfahren, dass Kinder dort überall dabei sind, aber niemand sich belästigt fühlt.
Die beiden wollen aber nicht nur meckern. „Etliche Leute freuen sich auch, wenn sie Emma sehen - gerade ältere Menschen“, sagt Nora. Und viele Dinge, wie etwa die vielen Grünanlagen, der ebenerdige Einstieg in die Straßenbahnen oder die städtische Vermittlungsstelle für Tagesmütter seien Pluspunkte in Sachen Kinderfreundlichkeit. Gut möglich, dass bald ein weiterer Pluspunkt hinzukommt: Maike plant schon länger, ein Familiencafé zu eröffnen.
Von Bastian Ludwig

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