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Streit um Qualität der Herzchirurgie – Daten im Internet bestätigen Vorwürfe nicht

Streit um Qualität der Herzchirurgie – Daten im Internet bestätigen Vorwürfe nicht

Streit um Qualität der Herzchirurgie

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Kassel. Wie gut arbeitet die Herzchirurgie am Kasseler Klinikum? Viele Patienten sind verunsichert, seit sie von der Auseinandersetzung des fristlos entlassenen Chefarztes Dr. Hermann Sons und der Leitung der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) vor dem Kasseler Arbeitsgericht erfahren haben.

Dort wehrte sich Sons gegen seinen Arbeitgeber, der ihm Qualitätsmängel und eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei Herzoperationen vorgeworfen hatte.

Woher die Vorwürfekommen, bleibt jedoch unklar. Aus den für jedermann im Internet einzusehenden Daten ergibt sich dafür kein Anhalt. Ausführlich äußert sich die GNH nicht. Derzeit verhandeln Anwälte über die Auflösung von Sons’ Arbeitsverhältnis samt Abfindung.

Unter www.weisse-liste.de veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung Kennzahlen, mit denen die Qualität in Kliniken dokumentiert wird. Erhoben werden sie von der Bundesstelle für Qualitätssicherung (BQS). Aussagekräftig für die Arbeit einer Herzchirurgie sind Zahlen zu Bypass-Operationen. Hier ist laut Qualitätsbericht von 2008 auf dem Kasseler Möncheberg alles im grünen Bereich. Am Klinikum liegt die Sterblichkeitsrate bei einem Krankenhausaufenthalt für diesen Eingriff bei 3,6 Prozent. Zum Vergleich: Am Herz-Kreislauf-Zentrum Rotenburg starben 3,5 Prozent der Patienten bei diesem Eingriff, an der Uni-Klinik Göttingen 3,3 Prozent, am Uni-Klinikum Marburg 3,4 Prozent und am Uni- Klinikum Gießen 2,9 Prozent. Als Basis wird ein Referenzbereich von 0 bis 6,7 Prozent zugrunde gelegt.

Werte alarmieren nicht

Auch an der Qualität hatten die Prüfer offenbar nichts zu meckern. Schaut man sich die Bypassoperationen an, bei denen die Brustwandarterie (ein wichtiges Qualitätskriterium) verwendet wurde, bescheinigen die Prüfer den Herzchirurgen am Klinikum 90,4 Prozent Qualität bei einem Referenzbereich von wenigstens 85 und höchstens 100 Prozent. Rotenburg steht mit 95,2 Prozent besser da, Göttingen erreicht 94,7, Marburg 93,0 und Gießen 96,1 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 92,5 Prozent.

Im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen indes arbeitet man daran, von den Qualitätsprüfern wieder eine grüne Ampel zu bekommen. Das Krankenhaus hatte den Referenzbereich knapp verfehlt. In diesem Fall werden die Prüfer aktiv und fragen nach. Unter Umständen untersucht dann eine Kommission die Situation in der Klinik.

Fortlaufende statistische Auswertungen und Vergleiche im Rahmen der Qualitätssicherung gebe es auch am Klinikum Kassel, sagte Sprecherin Gisa Stämm. In einem internen Schreiben habe man Dr. Sons aufgefordert, statistische Auffälligkeiten in seinem Verantwortungsbereich zu erklären und bei Bedarf Vorschläge zur Qualitätsverbesserung zu machen. Darauf habe dieser mit einer Unterlassungsklage reagiert.

Gibt es also ein aktuelles Qualitätsproblem an der Herzchirurgie? Dr. Sons nennt den Vorwurf „absoluten Unsinn“. Das Klinikum nimmt dazu nicht Stellung und aktuelle Daten liegen im Internet nicht vor. (hei/clm) HINTERGRUND

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