316.06.1016.06.10|Kassel|1 Kommentar
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Kassel. Jedes Jahr wechseln etwa eine halbe Million Hunde in Deutschland den Besitzer. Ein großer Teil davon, etwa 150.000 bis 200.000, werde illegal gehandelt. Diese geschätzten Zahlen nennt Reinhard Jakob, der Kasseler ist Landesvorsitzender des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Hessen.
Der wachsende illegale Welpenhandel werde zunehmend auch ein Problem, gegen das seriöse Züchter kämpfen. Sie verkauften ihre jungen Hunde nicht mehr so leicht. Die Zahl der Welpen sei im VDH seit einigen Jahren rückläufig. Der illegale Handel sei nicht der einzige Grund dafür, aber er befördere die Entwicklung. Gleichzeitig sei der Hundebestand insgesamt gestiegen, sagt Karsten Plücker, Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel.
„Wir kriegen das nicht in den Griff“, sagt Jakob. Der VDH könne nur aufklären und an die Vernunft von Käufern appellieren. Das wichtigste dabei: „Man darf nicht auf den Preis schauen.“ Vermeintlich günstige Hunde verursachten häufig deutlich höhere Kosten, wenn sie krank werden, weil sie gar nicht oder nur unzureichend geimpft sind.
Tierheime seien dann die letzte Station. Plücker beschreibt die Mentalität vieler dann überforderter Hundebesitzer so: „Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“ Das sei auch der Grund, warum die Wau-Mau-Insel eine Schutzgebühr für vermittelte Tiere verlange.
Besonders gefragt seien so- genannte Modehunde, sagt Dr. Heiko Purkl, Leiter des Veterinäramts der Stadt Kassel. Für eine große Nachfrage nach Chihuahua-Welpen hätten beispielsweise Paris Hilton und andere Hollywood-Stars gesorgt, die mit diesen Hunden öffentlich auftreten, sagt Jakob.
Großen Stress verursachen die langen Transporte aus Osteuropa bei jedem Tier. Welpen seien „in ganz besonderem Maße einer erheblichen Belastung ausgesetzt“, sagt Purkl. Aus Kostengründen würden Tiere häufig auf engstem Raum transportiert.
Nicht selten gelangen Hunde aus Züchtungen in Osteuropa über Zwischenhändler auch nach Nordhessen, berichtet Jakob. Diese Händler machten meist den größten Profit, weil sie die Welpen für 30 bis 50 Euro einkaufen und sie für ein vielfaches dieser Preise weiterveräußern, auch um nicht durch Dumpingpreise aufzufallen. Die Muttertiere würden dabei meist in Osteuropa als reine Gebärmaschinen gehalten. Sechs Würfe innerhalb von zwei Jahren seien keine Seltenheit, sagt Jakob.
Von solchen Zuständen berichtet auch Plücker. Immer mal wieder sei er für den Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT) im Ausland unterwegs. „Unter katastrophalen Zuständen“ würden Welpen auf den größten Markt nach Deutschland transportiert.
Jakob und Plücker sind sich einig, dass sich das Problem nur lösen lässt, wenn die Nachfrage sinkt. „Die Gesetze zu verschärfen, nutzt nichts“, meint Jakob. „Die Nachfrage muss sinken, dann geht auch der Handel zurück.“
Von Claas Michaelis

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