Luftbelastung Feinstaub in Kassel: Ein neuer Plan muss her

Verbände drängen auf baldige Lösung - Kessellage verschärft Schadstoffproblem

Luftbelastung: Ein neuer Plan muss her

121.02.1021.02.10|Kassel|
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Kassel. „In diesem Jahr ist die Schonfrist vorbei“, sagt Martin Mützel, Kasseler Sprecher des VCD-Landesverbands. Der Verkehrsclub Deutschland drängt wie die Umweltverbände auf eine Lösung.

Das Umweltministerium und die betroffenen Städte müssten endlich sagen, wie sie die Luftqualität verbessern wollen. „Die Bewohner der Städte haben ein Recht auf saubere Luft und müssen vor Gesundheitsgefahren geschützt werden“, sagt VCD-Sprecher Mützel.

Großraum im Blick Beim Hessischen Städtetag denkt man angesichts des nun geltenden Grenzwertes für Stickstoffdioxid über die Einrichtung regionaler Umweltzonen nach. Für den Großraum Kassel laufen die Fäden beim Zweckverband Raum Kassel (ZRK) zusammen.

Denn obwohl die schlechte Luft an verkehrsreichen innerörtlichen Straßen entsteht und nicht von anderswo hereinweht, will man den Ballungsraum als Ganzes unter die Lupe nehmen und die Schritte mit den Umlandgemeinden abstimmen.

Ob eine Umweltzone kommt, entscheide aber einzig und allein das Land, sagt ZRK-Geschäftsführer Andreas Güttler. Bei einem ersten Treffen am kommenden Mittwoch soll zunächst der Zeitplan für die Aufstellung des Luftreinhalteplans festgelegt werden. Er wird neben der Ursachenforschung für die hohe Stickstoffdioxidbelastung Teil des Antrags auf Fristverlängerung sein, den das Land Mitte 2011 bei der EU-Kommission stellen will.

An der Auftaktveranstaltung in Kassel werden neben Vertretern der Kommunen und des Wiesbadener Umweltministeriums auch Interessengruppen teilnehmen. Vertreter von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer sind ebenfalls eingeladen. „Die Stadt Kassel muss sich überlegen, was sie tun kann“, sagt Holger Henke, Sachgebietsleiter Umwelt- und Emissionsschutz beim Umwelt- und Gartenamt. 80 Prozent der gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxide würden vor Ort erzeugt.

Da sie zum großen Teil aus Auspuffgasen stammen, könne man zum Beispiel mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Fuß- und Radwege, dem Einsatz von Elektrofahrzeugen und der Förderung von Erdgasfahrzeugen gegensteuern. Neue Abgasnorm Dass es nicht einfach wird, weiß auch Dr. Marita Mang vom hessischen Umweltministerium.

Zwar werde der Schadstoffausstoß mit der neuen Abgasnorm für Neufahrzeuge ab 2013/2014 deutlich gesenkt, doch werde sich dies erst ab 2020 im Verkehr bemerkbar machen. „Euro-Norm 6 wird auch noch kaum angeboten“, sagt Mang. „Bis 2015 dürfte es deshalb schwierig werden.“ Vor allem in Kassel, das mit seiner Kessellage zu kämpfen habe. Viel Handlungsspielraum sieht Mang nicht. Eine halbwegs vernünftige und wirksame Lösung zu finden, sei nicht einfach. „Man kann den Verkehr nicht komplett sperren“, sagt sie.

Von Ellen Schwaab

Hintergrund: Umweltzone ist umstritten

Umweltverbände, der Umweltmeteorologe Professor Lutz Katzschner von der Kasseler Universität und die hiesigen Grünen fordern schon lange die Einrichtung einer großen Umweltzone, die neben Kassel auch die Kommunen Vellmar, Fuldatal, Niestetal, Lohfelden, Fuldabrück und Baunatal einbezieht.

Doch die Städte und Gemeinden rund um Kassel haben eine gemeinsame Umweltzone bislang abgelehnt. In Baunatal zum Beispiel werden Nachteile für das Volkswagenwerk und das OTC befürchtet. Angesichts der ab diesem Jahr geltenden Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) könnten sie ihre Haltung überdenken.

Zu der Auftaktveranstaltung zur Lösung des Stickstoffdioxid-Problems sollen auch Schauenburg und Ahnatal eingeladen werden. In Hessen hat bislang nur die Stadt Frankfurt eine Umweltzone ausgewiesen. (els)

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