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Nordhessisch der Gehörlosen

Taube Menschen haben eigene Form der Mundart – Gebärdensprachtrainerin Dagmar Ruppert stellt sie vor

Nordhessisch der Gehörlosen

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Kassel. Wenn sich zwei echte Nordhessen irgendwo auf der Welt begegnen, werden sie sich als solche erkennen. Woran? Genau: An ihrem Mundwerk. Der nordhessische Dialekt und unser Vokabular regionaler Begriffe sind markant.

Fast kraftvoller als das Original: Die Gebärde für Kassels Wahrzeichen, den Herkules.

Dass sich vermutlich auch zwei Nordhessen erkennen werden, die nicht in der Lage sind, sich gegenseitig zu hören, beweisen die tauben Menschen aus unserer Region. Übertragen auf ihre Wahrnehmungswelt besitzen sie auch so etwas wie eine Mundart: Ortsspezifische Gebärden, die sich unter den Gehörlosen in einer Region verbreitet haben.

Eine Frau, die sich mit diesen lokalen Begriffen in der Gebärdensprache auskennt, ist die Kasselerin Dagmar Ruppert. Seit 24 Jahren leitet sie Kurse, in denen sie ihren Teilnehmern die visuell wahrnehmbare Sprache beibringt.

Der Klassiker: Die Kasseler Gehörlose Dagmar Ruppert zeigt die Gebärden für das Wort „Ahle Wurscht“. Wie bei diesem Begriff gibt es in der Gebärdensprache viele Ausdrücke, die aus einer Kombination mehrerer Gesten bestehen. Heute ist Tag der Gehörlosen.

Wenn die Frau mit den roten Locken rechts und links ihren Bizeps anspannt und mit den Lippen das Wort „Herkules“ formt, meint sie genau diesen starken Mann, der über Kassel thront. Formt sie ihre Finger zu einer kleinen Krone, die an die Spitzbetzel-Haube erinnern soll, und setzt sich diese auf den Kopf, spricht sie von der „Schwalm“. Es sieht einfacher aus, als es ist. Bereits kleine Ungenauigkeiten in ihrer Geste könnten Verwirrung stiften. Denn wenn Ruppert ihre Finger etwas zu weit auseinanderspreizt und so eine große Krone darstellt, würde sie damit das Wort „König“ ausdrücken.

Finger nach unten, aber Stimmung weit oben: Die Gebärde für das Volksfest Zissel.

Als sie ein Jahr alt war, verlor die 1948 geborene Kasselerin ihr Gehör. Eine vereiterte Mittelohrentzündung veränderte ihr weiteres Leben. Ihre Freude daran hat dieser Schicksalsschlag nicht gebrochen – das steht der Frau, die mit ihrem ebenfalls gehörlosen Mann Bernhard verheiratet ist, von der rechten bis zur linken Wange ins Gesicht geschrieben. Ihr gemeinsamer Sohn kam ohne Behinderung zur Welt.

Ohne sich selbst zu hören, hat Ruppert das Sprechen gelernt. Sie hat geübt, wie sie Laute erzeugt, sodass sie hörbare Worte ergeben. Und so kann sie davon erzählen, dass sich die Gebärdensprache – wie auch die Lautsprache – international unterscheidet. Innerhalb der Länder gebe es zudem verschiedene Dialekte.

Kralle für Löwe

Viele Worte in der Gebärdensprache sind eine Art Kombination von Sinnbildern. Der „Nordhesse“ etwa ist eine Abfolge der Gesten für „Norden“ und des Wappentiers „Löwe“. Ruppert stellt dafür ihre flache Hand senkrecht und formt anschließend mit drei Fingern eine Kralle. Für die „Ahle Wurscht“ ballt sie eine Faust und formt dann in der Luft die Rundung einer Wurst. Ganz ähnlich ist es beim „Weckewerk“. Für die nordhessische Spezialität stellt sie Zeige-, Mittel- und Ringfinger auf, um so den Buchstaben „W“ zu signalisieren. Um „Werk“ auszudrücken, stellt sie die Finger der einen Hand auf den Handteller der anderen.

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Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Von Bastian Ludwig

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