Kassel. Zum Auftakt des Verfahrens gegen Rainer Pfeffermann hat das mutmaßliche Opfer den früheren SPD-Bundestagskandidaten am Donnerstag schwer belastet. Und es bleiben Fragen.
Was am 6. April 2009 im Haus von Rainer Pfeffermann in Ahnatal geschehen ist, wissen nur der frühere SPD-Bundestagskandidat und die 39-jährige Parteifreundin, die er sexuell genötigt haben soll. Was beide gestern vor dem Kasseler Landgericht vortrugen, liegt weit auseinander.
Im März 2008 lernt Pfeffermann die 39-Jährige bei einer Parteiveranstaltung in Kassel kennen. Zunächst wollen sie sich gegenseitig in ihrer politischen Arbeit unterstützen: Pfeffermann strebt in den Bundestag, die 39-Jährige will Kandidatin für das Europaparlament werden. Im Mai kommen sich beide näher und beginnen eine sexuelle Beziehung. Von ihren jeweiligen Partnern wollen sie sich aber nicht trennen. Pfeffermanns Lebengefährtin und der Ehemann der 39-Jährigen erfahren von der Affäre.
Im September einigen sich beide, nicht mehr miteinander ins Bett zu gehen. Am 6. April 2009 war die 39-Jährige gegen 14.15 Uhr in Ahnatal angekommen.
Was dann passiert, schilderte Pfeffermann so: Man habe über Politik und den Wahlkampf geredet. Plötzlich habe die 39-Jährige ein Schreiben aus der Tasche gezogen. Pfeffermann sollte unterschreiben und sich verpflichten, eine Vergütung von 42.000 Euro für ihre Wahlkampfarbeit zu zahlen. Zudem sollte Pfeffermann, die 39-Jährige als Kandidatin für das Amt des Bürgermeisters in der Stadt Kassel ins Gespräch zu bringen.
Als er ablehnte, habe die 39-Jährige das Papier zerrissen. Weil sie ehrenamtlich arbeite, gebe es kein Arbeitsverhältnis, für das er zahlen müsste. Die 39-Jährige habe mit ihrem Handy herumhantiert. Er habe den Eindruck gehabt, sie zeichnete das Gespräch auf.
Es sei zu einem kurzen Gerangel gekommen. Dann sei sie gefahren. Schon Wochen vorher sei die Zusammenarbeit einvernehmlich beendet worden. Warum sie ihn später anzeigt? „Sie hat wohl gedacht: Wenn ich nicht nach Berlin gehe, dann gehst Du auch nicht“, sagte Pfeffermann. „Das ist meine einzige Erklärung.“
Die Version der 39-Jährigen klingt anders: Sie habe über Themen sprechen wollen, mit denen sich Pfeffermann im Wahlkampf profilieren sollte. „Aber er wollte sich nicht festlegen“, sagte sie. „Es kam nichts Konkretes.“ Als sie ihre Tasche nehmen und gehen wollte, habe Pfeffermann plötzlich mit einer Hand ihren Hosenbund gegriffen. Seine andere Hand habe er in ihre Hose geschoben.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Sie habe versucht sich loszureißen. Pfeffermann habe sie mit dem Unterarm gegen die Wand gedrückt. Mit seinem ganzen Gewicht habe er auf ihrer Brust gelegen und ihr die Luft abgedrückt. Dann habe er versucht sie zum Oralverkehr zu zwingen.
Aus Angst habe die 39-Jährige vorgegeben einzuwilligen. Als der Druck nachließ, habe sie sich befreit, sei aus dem Haus zu ihrem Auto gelaufen. Dann sei sie davon gefahren. Über die Vergütung von 42.000 Euro für ihre Wahlkampfarbeit hätten beide erstmals etwa zehn Tage nach dem Vorfall gesprochen. Pfeffermann habe ihr zugesagt, er zahle nach seiner Wahl in den Bundestag, dafür solle sie auf eine Anzeige verzichten. Einen Arbeitsvertrag gibt es nicht. Als sich beide am 18. Juni in einem Restaurant in Vellmar treffen, legt die 39-Jährige dennoch eine Kündigung vor. Pfeffermann bestätigt den Empfang per Unterschrift.
Eine Woche später erfährt Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub von den Vorwürfen. Sowohl Pfeffermann als auch die 39-Jährige sagten, der SPD-Bezirksvorsitzende habe keine Einzelheiten wissen wollen. Trotz anders lautender Zusagen habe er letztlich nicht vermittelt, sondern beide im Unklaren gelassen.
Das Landgericht hat Schaub für den kommenden Montag als Zeuge geladen.
Knuth Pfeiffer, Anwalt der 39-Jährigen, appellierte an Pfeffermann, ein Geständnis abzulegen. So könne er den Nebenklägerinnen demütigende Aussagen vor Gericht ersparen. Pfeiffer deutete an, weitere Frauen in den Zeugenstand zu laden, die ähnliche Vorwürfe erheben würden. (clm)
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