1523.07.1023.07.10|Kassel|2 Kommentare
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Kassel. Der Kasseler Reiseveranstalter Kultours hat gestern beim Amtsgericht Kassel einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte Reinhold Kilbinger, Sprecher des Gerichts. Für Christine Goebel aus Espenau und weitere Kunden, die bei Kultours im Glockenbruchweg in Niederzwehren eine Reise gebucht und bereits bezahlt haben, kann das bedeuten, dass sie ihr Geld nie wieder sehen.

Fühlt sich über den Tisch gezogen: Christine Goebel aus Espenau wartet seit Wochen auf eine Rückzahlung des Reiseveranstalters Kultours. Gestern hat die GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Foto: Herzog
„Das ist ein ganz faules Ei gewesen, das ich nicht riechen konnte.“
Kundin Christine Goebel
Den Insolvenzantrag stellte der erst kürzlich neu eingestellte Geschäftsführer Harald Linhart aus Wiesbaden. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil er am Donnerstagabend bemerkt habe, dass „etliche Dinge bei Kultours sehr im Argen“ lägen. „Aus Verantwortung musste ich diesen Schritt gehen“, sagt Linhart. Ihm seien derzeit eine Handvoll Kunden bekannt, die noch Forderungen an den Reiseveranstalter, der mit hochwertigen Kunst-, Konzert-, Festspiel- und Studienreisen warb, hätten. „Ich befürchte, es sind aber weit mehr.“ Mit diesen Kunden wird Linhart aber nichts mehr zu schaffen haben. Nach Antragstellung habe er seinen Geschäftsführerposten niedergelegt.
Neuer und alter Geschäftsführer ist Marco Ebert, Gesellschafter der GmbH. Doch der scheint mit seiner Firma, die in drei Bussen Reisen angeboten hat, seit Wochen schon nichts mehr zu tun haben zu wollen. Als die HNA am Donnerstag in den Geschäftsräumen von Kultours auftauchte, erklärte Ebert, dass ihm die GmbH nicht mehr gehöre. Wer der neue Eigentümer sei, werde er nicht sagen. Sowohl bei der Industrie- und Handelskammer als auch beim Amtsgericht wird Ebert nach wie vor als Gesellschafter von Kultours geführt.
Mit der Ausrede, ihm gehöre die Firma nicht mehr, er dürfe nicht mal mehr die Post öffnen, hat Ebert in den vergangenen Wochen auch Christine Goebel hingehalten. Die 53-jährige Frau hatte bei Kultours eine Busreise mit dem Titel „Königliche Hochzeit“ nach Stockholm gebucht. 1142 Euro hatte die Frau, die ihre Tochter in der schwedischen Hauptstadt besuchen wollte, für die Fünf-Tages-Busreise am 6. Mai überwiesen.
Am 1. Juni erhielt die 53-Jährige einen Brief von Kultours, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass die Reise vom 17. bis 22. Juni abgesagt werden müsse, weil es zu wenige Buchungen gegeben habe. Sie könne sich zwischen einem Gutschein, einer Rückzahlung der Summe oder einer Umbuchung entscheiden. Die Espenauerin wollte ihr Geld zurück. Mehrmals habe sie bei Kultours angerufen und danach gefragt. Immer wieder sei sie vertröstet worden.
Christine Goebel fühlt sich über den Tisch gezogen. Als Laie habe sie nicht bemerkt, dass ihr mit den Reiseunterlagen kein Sicherungsschein ausgehändigt worden sei. „Das ist ein ganz faules Ei gewesen, das ich nicht riechen konnte.“ Das Geld habe sie bereits abgehakt. Um gegen die Machenschaften von Kultours vorzugehen, bleibe ihr nichts anderes übrig, als eine Strafanzeige wegen Betrugs zu stellen.
Von Ulrike Pflüger-Scherb

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