Kassel: Straßenstrich wird von Prostituierten gemieden

85 Prozent der Prostituierten sind Ausländerinnen - Viele arbeiten zu Niedrigpreis und ohne Kondom

Kasseler Straßenstrich wird von Prostituierten immer mehr gemieden

3327.08.1027.08.10|Kassel|21 Kommentare
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Kassel. Der Kasseler Straßenstrich wird von Prostituierten mehr und mehr gemieden und stattdessen dem beschaffungskriminellen Milieu, das heißt vor allem drogensüchtigen Frauen, überlassen.

Sexarbeit: Der Straßenstrich wird von der Beschaffungskriminalität dominiert - hier auf einem gestellten

Die professionellen Sexarbeiterinnen bieten ihre Dienste eher in Wohnungen an. Für die Wohnungen - oft in Häusern mit mehreren Frauen - zahlen sie hohe Mieten. Die Vermieter, die oft täglich kassieren, haben den klassischen Zuhälter abgelöst. Diese und andere Veränderungen in der Prostituierten-Szene stellen seit einigen Jahren die Sozialarbeiterinnen des Kasseler Vereins Frauen informieren Frauen (FiF) fest. „Besorgniserregend“ sei, dass viele junge Prostituierte, vor allem aus Osteuropa, aus wirtschaftlicher Not heraus ihre Dienste oft für sehr wenig Geld anböten und auch ohne Kondome arbeiteten. Dass eine Sexarbeiterin für ihre Dienste 20 Euro verlangt, sei nicht selten.

„Für viele Prostituierte ist durch dieses Preisdrücken eine selbstbewusste Nutzung von Kondomen schwieriger geworden. Kolleginnen, die auf diesen Schutz bestehen, werden dadurch unter Druck gesetzt“, sagt Petra Ritter von FiF. Mit seinem Projekt „Sicht-Bar“ kümmert sich der Verein seit zwölf Jahren um Frauen, die sich prostituieren. Die Streetworkerinnen, die der Schweigepflicht unterliegen, arbeiten kostenlos und anonym. Sie suchen die Frauen an ihren Arbeitsplätzen auf.

Mit dem FiF-Angebot wurden 2009 in Kassel 250 professionelle Prostituierte erreicht. Insgesamt gab es 705 Beratungskontakte. Die in Kassel tätigen Sexarbeiterinnen - „es gibt eine hohe Dunkelziffer“ - schätzt Ritter auf eine Zahl zwischen 350 und 400. Der Anteil der Migrantinnen beträgt 85 Prozent. Darunter sind immer mehr Frauen aus osteuropäischen Ländern. In den vergangenen Monaten wurden vor allem Prostituierte aus den neuen EU-Staaten angetroffen, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien. „Schätzungsweise 40 bis 60 Prozent unserer Klientinnen arbeiten ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz“, sagt Ritter: Tendenz steigend.

Von Christina Hein

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