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Sonst wird er eingeschläfert

Halter setzen Tierheim-Mitarbeiter unter Druck - Wau-Mau-Insel soll Tierarzt zahlen

Sonst wird er eingeschläfert

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Kassel. „Alles muss sofort passieren“, ärgert sich Karsten Plücker, Leiter des Tierheims Wau-Mau-Insel. Die Menschen wollen sofort ein Tier haben, wenn es ihnen in den Sinn kommt. Genauso schnell wollen sie es aber auch wieder loswerden, wenn sie keine Lust mehr darauf hätten. Manche Besucher gehen durch das Tierheim wie durch einen Supermarkt. Erst begeistern sie sich für ein Kaninchen, dann für eine Katze, schließlich wollen sie dann doch einen Hundewelpen. Viele Menschen machen sich gar keine Gedanken, was es bedeute, ein Tier zu halten. Schon mal gar nicht über die Kosten.

Ausgesetzt: Mitarbeiterin Dorothee Schmidt kümmert sich um eine etwa zwölf Jahre alte Wasserschildkröte.

Wer sich einen Hund oder eine Katze anschafft, der muss davon ausgehen, für Routineuntersuchungen beim Tierarzt im Jahr 150 Euro ausgeben zu müssen. Wird ein Tier krank, wird es entsprechend teurer. „Wir raten Tierhaltern, pro Monat 25 Euro für Tierarztkosten zu sparen“, sagt Plücker.

Das machen aber wohl die allerwenigsten. Im Kasseler Tierheim an der Schenkebier Stanne gehen täglich etwa zehn Anfragen ein, ob denn das Tierheim nicht die Kosten für den Arzt übernehmen kann. „Wir werden gefragt, ob wir für die Kastration der Katze oder die Impfung aufkommen“, sagt Plücker. Manche Tierhalter versuchen regelrecht Druck auszuüben. Es sei schon vorgekommen, dass Tierhalter mit der Einschläferung gedroht hätten, wenn das Tierheim nicht einspringe. Auch wer nur Hartz IV empfange, könne nicht erwarten, dass andere komplett für seine Tierarztrechnungen aufkommen, sagt Plücker. Aber nicht nur Menschen mit wenig Geld versuchen, das Tierheim anzupumpen.

Plücker berichtet von einem berufstätigen Ehepaar, das mit seinem kranken Berner Sennenhund im Mercedes vorfuhr. Die beiden hätten gefragt, ob das Tierheim die OP-Kosten in Höhe von 3000 Euro für den Hund übernehme. Das Paar erklärte, für sie sei diese Investition nicht mehr lohnenswert.

Das Tierheim sei nicht in der Lage, diese Wünsche der Menschen zu erfüllen. „Wir leiden auch“, sagt Plücker. Das Spendenaufkommen sei um mindestens zehn Prozent zurückgegangen.

Wer sich dazu entscheidet, einem alten und kranken Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause zu schenken, der kann mit der Übernahme der Tierarztkosten rechnen. „Das übernehmen wir“, sagt Plücker.

Kontakt: Tierheim Wau-Mau-Insel, Schenkebier Stanne 20, 34 128 Kassel, Tel. 05 61 861 56 80, www.wau-mau-insel.de

Videos von Tieren aus der Wau-Mau-Insel, die ein neues Zuhause suchen, finden Sie unter www.hna.de/video

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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