Spieler der Bolz WM feiern Jogis Jungs

Spieler der Bolz-WM feiern Jogis Jungs

1403.07.1003.07.10|Kassel|
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Kassel. Samstagnachmittag, 15.45 Uhr: Den ganzen Tag haben sie bei glühender Hitze gegeneinander Vorrundenspiele ausgetragen, die Kicker der „Glasvoll Rangers“, „Stollenblätterpilze“, Partysahne“, „Graveyard Rockers“ und der anderen Mannschaften bei der BOLZ-WM auf den Waldauer Wiesen.

Nun sitzen sie nach dem Motto „Besser zusammen schwitzen, als allein zuhause sitzen“ im Festzelt vor der Großbildleinwand. Draußen an den Ständen gibt es thailändisches Essen, Pizza und Bratwurst, doch nach etwas Warmen ist niemandem zumute. Aber nach Weizenbier, das unter den Alternativ-Kickern das Stammgetränk zu sein scheint.

Im Vergleich zum Hupkonzert, dem Vuvuzela-Gebläse und den Fan-Gesängen, die man auf dem Weg von der Innenstadt zu dem am Stadtrand gelegenen Gelände gehört hat, ist es hier relativ ruhig. Noch. 15.55 Uhr: Die Deutsche Nationalmannschaft läuft in ihren schwarzen Auswärts-Trikots im Stadion in Kapstadt ein, der Fernsehton wird abgedreht und über die Beschallungsanlage dröhnen die Anfangsakkorde von AC/DCs „Back in Black“.

600 Zuschauer stehen auf, applaudieren im Rhythmus und rocken Jogis Jungs. Gänsehaut. Kann man diese Stimmung noch steigern? Man kann. 16.08 Uhr: in der dritten Spielminute schießt Thomas Müller das 0:1. Alle stehen auf den Bänken und applaudieren. Argentiniens Trainer Maradona wird eingeblendet. Er macht ein grimmiges Gesicht und im Zelt hört man vereinzelt Rufe: „Heul doch!“ 16.28 Uhr: Als Klose unbedrängt in der 24. Spielminute den Ball über das leerstehende Tor der Argentinier schießt statt in den Kasten hinein, flaut die Stimmung etwas ab.

Doch Kathi „Losfee“ Stürmer am Zapfhahn, die während des Spiels nicht allzu viel zu tun hatte, spornt die Zuschauer an, singt „Auf geht’s, Deutschland schießt ein Tor“ klatscht die Hände über dem Kopf zusammen. Jetzt stimmen die Frauen unter den Zuschauern in ihren Gesang ein. Gleich ist Halbzeit. 17.10 Uhr: Die Argentinier sind in den ersten Minuten nach der Pause die dominierende Mannschaft. Es ist relativ still geworden auf den Waldauer Wiesen. Sorgenvolle Gesichter bei den Freizeitkickern und Sprüche wie „Der Drops ist noch nicht gelutscht.“

Erleichterung darüber, dass die Argentinier im Abschluss aber auch nicht besser sind, als zu diesem Zeitpunkt Poldi, Özil, Muller und Co. 17.32 Uhr: Miroslav Klose erlöst die Zweifler mit seinem 13. Länderspieltor. Die deutsche Mannschaft ist im spiel zurück, die Stimmung im Zelt auch. 17.39 Uhr: Jetzt gibt es kein Halten mehr. Arne Friedrich hat gerade das 0:3 geschossen. Wieder stehen alle auf den Bänken, umarmen sich. Man fühlt, wie die Anspannung mit einem Schlag abgefallen ist. Zwei kleine Jungs, Oskar und Mika in Schweinsteiger- und Odonkor-Trikots, springen auf die Bühne, blasen in ihre Vuvuzelas. Das Zelt tobt. „Schickt die Gauchos in die Pampa!“

17.41 Uhr: Wieder wird Maradona eingeblendet, der sich gerade etwas aus dem linken Auge wischt. Eine Träne? Ein paar Frauen singen: „Weine nicht um mich Argentinien.“ 17.42 Uhr: Zum ersten Mal während des Spiels herrscht auch am Tresen reger Betrieb. „Ein Weizen auf das 0:3 bitte.“

17.47 Uhr: Von Kloses zweitem Treffer erfahren die Menschen in der Schlange am Getränkestand erst, als die anderen Zuschauer aufspringen und jubeln. 600 Fans singen für die Argentinier „Ihr könnt nach Hause gehen.“ 17.50 Uhr: Den Ratschlag scheint die Maradona-Truppe beherzigt zu haben. So schnell wie Messi und seine Kameraden nach dem Abpfiff verschwunden sind, hat man das noch bei keiner anderen Mannschaft gesehen. 17.55 Uhr: Vor dem Zelt, am Verkaufsstand mit den Fan-Utensilien, hängt Denise die argentinische Flagge ab.

Von Wilhelm Ditzel

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