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Studie zu Radunfällen: „Kassel muss handeln“

Studie zu Radunfällen: Analysieren und Handeln

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Kassel. Die Zahl der verunglückten Radfahrer hat in Kassel gemittelt über die vergangenen fünf Jahre zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

© Malmus

Mehr Radverkehr ist das Ziel: Wie hier an der Tischbeinstraße will die Stadt auch mit der Anbringung von Schutzstreifen fahrradfreundlicher werden. Kritiker bemängeln, dass Schutzstreifen eine falsche Sicherheit suggerierten. Auch Margitte Hoppe aus Kassel wird es hier mitunter zu eng.

Radfahrstreifen sind von der Fahrbahn durch eine dicke, durchgezogene Linie getrennt und mit Fahrrad-Piktogrammen gekennzeichnet. Autos dürfen auf Radfahrstreifen nicht fahren, halten oder parken.

Er hat für seine aktuelle Studie „Städtecheck 2011 Fahrradsicherheit“ die Verkehrssicherheit von Radfahrern in 43 deutschen Großstädten unter die Lupe genommen. Die Zahl der verunglückten Radfahrer (Getötete und Verletzte) ist zwischen 2005 und 2010 im Fünfjahresmittel um 2,5 Prozent gesunken; im Bundesschnitt sogar um 3,2 Prozent. Für Kassel weist die Statistik hingegen eine durchschnittliche mittlere Zunahme von 0,32 Prozent aus. Damit zählt Kassel zu neun Großstädten, denen der VCD einen akuten Handlungsbedarf attestiert. Sie werden auf der VCD-Ampel-Skala rot eingestuft, weil die Verunglücktenzahlen im Mittel zugenommen haben.

Fallzahlen zuletzt rückläufig

Zwar erhält Kassel durch die Methode des Fünfjahresmittel ein Negativ-Etikett. Ein Blick auf die absoluten Zahlen zeigt jedoch, dass die Zahl der Verunglückten zuletzt gesunken beziehungsweise konstant geblieben ist: Laut Studie sind 2010 und 2009 je 117 Menschen mit dem Rad auf Kassels Straßen verunglückt. 2005 waren es 128. Negativer Spitzenreiter war das Jahr 2008 mit 178 verunglückten Radfahrern. Zwei Menschen starben bei Radunfällen in den Jahren 2006 und 2007. 2010 wurden in Kassel 91 Radfahrer leicht, 26 schwer verletzt.

Schutzstreifen sind Teil der Fahrbahn und durch eine unterbrochene Linie gekennzeichnet. Sie sind ebenfalls mit Rad-Piktogrammen gekennzeichnet. Autos dürfen die Markierung bei Bedarf überfahren, wenn Radler nicht gefährdet werden. Halten bis zu drei Minuten ist zulässig. Auf beiden Streifen kämen Radfahrer besser voran und seien besser zu sehen, sagt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Kritiker sprechen von einer Scheinsicherheit.

Anja Hänel, VCD-Referentin für Verkehrssicherheit, bescheinigt Kassel trotz der Eingruppierung in den roten Bereich eine „positive Tendenz“. Wenn die Studie in drei Jahren wiederholt würde, käme Kassel wahrscheinlich in den grünen Bereich, lautet ihre optimistische Prognose. Begünstigen würde diese Entwicklung, wenn mehr Menschen in der Stadt in die Pedale treten würden. Der durchschnittliche Radverkehrsanteil lag in dem der Studie zugrunde liegenden Zeitraum in Kassel bei lediglich 6,6 Prozent. Zum Vergleich: 14 Prozent betrug er in den anderen Städten im Untersuchungszeitraum. Gemessen an diesem Wert liegt das Verhältnis der verunglückten Radler zur Gesamtheit der im Straßenverkehr Verunglückten in Kassel mit 2,2 leicht unter dem Durchschnitt von 2,3, hebt Hänel hervor.

Anders als in den meisten untersuchten Städten sind die Hauptunfallursachen in Kassel nicht falsche Fahrbahnbenutzung, Abbiegefehler und Alkoholfahrten, sondern Missachtung der Vorfahrt und des roten Ampelsignals.

„Besonders interessant ist, dass mit wachsendem Radverkehrsanteil in den Städten im Schnitt weniger Radfahrende verunglücken”, beobachtet Hänel. Dies bestätige die These, dass Radfahrer im Stadtverkehr bewusster wahrgenommen werden, je mehr von ihnen unterwegs sind. (abe)

Schutzstreifen vielen noch unbekannt

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen wolle man den Radverkehr in Kassel fördern, sagt Heiko Lehmkuhl vom Straßenverkehrsamt. Schutzstreifen, Radfahrstreifen und ausgebaute Radwege gibt es an folgenden Straßen: Fuldatalstraße, Altenbaunaer Straße, Leipziger Straße, Sandershäuser Straße, Breitscheidstraße, Gilsastraße, Kölnische Straße, Tischbeinstraße, Menzelstraße (ausgewiesene Fahrradstraße) sowie zwischen Hauptbahnhof und Berliner Brücke. In Planung ist der radverkehrsgerechte Ausbau der Loßbergstraße sowie ein Schutzstreifen auf der Wolfhager Straße im Ortskern von Harleshausen.

„Diese Schutzstreifen, die von Autos überfahren werden dürfen, kennen noch nicht alle“, sagt Lehmkuhl. Wie jüngst auf der Tischbeinstraße werde bei Fahrbahndeckenerneuerungen überprüft, ob Bedarf für die kostengünstige Markierung gegeben ist. Laut Lehmkuhl sind im Haushalt 2011 363.100 Euro für Radwegemaßnahmen vorgesehen. (abe)

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