Kassel. Die Familientragödie im Flüsseviertel in Kassel wirft viele Fragen auf: Handelt es sich um eine Tat im Affekt? Was treibt einen Vater dazu, seine Kinder zu töten?
Darüber sprachen wir mit Priv.-Doz. Dr. Martin Ohlmeier, Direktor des Ludwig-Noll-Krankenhauses im Klinikum Kassel.
Was halten Sie von der Tat?
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Dr. Martin Ohlmeier: Eine solche Tat macht mich auch als Vater sehr betroffen. Aber es kommt leider immer wieder vor, und wir müssen nach Erklärungen suchen. Weil wir im vorliegenden Fall noch zu wenig Fakten kennen, ist allerdings aktuell vieles spekulativ.
War es eine Tat im Affekt oder eine geplante?
Ohlmeier: Wir können hier nur vermuten, dass es sich um eine Affekttat handelte. Dafür spricht, dass die Familie zumindest vordergründig in stabilen sozialen Verhältnissen lebte und der Vater gegenüber seinen Kindern als liebevoll und fürsorglich beschrieben wird.
Die Frau des Mannes hatte sich von ihm getrennt. Könnte das ein Auslöser gewesen sein?
Ohlmeier: Der Partnerschaftskonflikt hatte möglicherweise auslösenden Charakter, vielleicht spielen im Vorfeld der Tat aber auch andere seelische Erkrankungen eine Rolle.
Wie könnte es zu der Affekthandlung gekommen sein?
Ohlmeier: Im Rahmen eines Affektstaus kommt es zu einer maximalen Anflutung von Gefühlen. Dahinter steht oft eine intensiv gefühlte Kränkung, Ärger, Wut, aber oft auch ganz große Verzweiflung und Perspektivlosigkeit. In einem solchen Affektstau ist der Betroffene unter Umständen nicht mehr steuerungsfähig.
Aber jeder Mensch erlebt doch Kränkungen.
Ohlmeier: Wer in seinem Leben verlässliche Beziehungen kennen gelernt hat, wird auch mit Trennungen besser umgehen können. Vielleicht hatte der Täter diese Hoffnung auf Beziehungsstabilität, als er eine Familie gründete, vielleicht war das sein Halt. Man könnte vermuten, dass es durch den Beziehungsbruch zu einer starken narzisstischen Kränkung kam, in deren Folge große Wut, Destruktivität und Verzweiflung entstanden.
Aber warum wollte der Täter seine eigenen Kinder mit in den Tod nehmen?
Ohlmeier: Wir sprechen im Falle eines Suizides mit Tötung anderer von einem erweiterten Suizid. Hier wurden die Kinder als Symbol für eine vermeintlich gelungene Beziehung zum Mit-Opfer. Vielleicht wollte der Vater auch nicht, dass seine Frau nach seinem Tod die Kinder behält.
Das spräche auch für einen großen Hass auf die Ehefrau.
Ohlmeier: Dies wäre denkbar, insofern zielte die Tat auch gegen seine Frau, die nun mit diesem entsetzlichen Verlust leben muss.
Gibt es im Vorfeld Signale für eine solche Tat ?
Ohlmeier: Wahrscheinlich hat er unter der Trennung massiv gelitten. Aber den genauen Grund des Partnerschaftskonflikts kennen wir nicht. Grundsätzlich kann jeder Mensch, der seelische Probleme hat, ärztliche oder psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Das gilt auch für die Angehörigen, die solche Albträume erlebt haben.
Von Beate Eder
Priv.-Doz. Dr. med. Martin D. Ohlmeier (44) ist Direktor des Ludwig-Noll-Krankenhauses im Klinikum Kassel. Ohlmeier stammt aus Freiburg und hat in Kassel sein Abitur abgelegt. Nach dem Medizinstudium in Göttingen hat er die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie an der Uniklinik in Frankfurt/Main absolviert. Er war an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig und seit 2003 Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Ohlmeier ist verheiratet und hat vier Kinder. (bea)
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(14.0)%3. In einer kombinierten Lösung über beide Straßen



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