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Kassel: Angst vor Abschiebung - Roma-Frauen leben als Flüchtlinge

Angst vor Abschiebung: Roma-Frauen leben als Flüchtlinge aus dem Kosovo im Landkreis Kassel

Roma-Frauen leben als Flüchtlinge: „Wir können nicht zurück“

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Kassel. Aufmerksam verfolgen sie die Diskussionen um die Vertreibung der Roma aus Frankreich in den Medien. Für Elhama und ihre Familie, die selbst Roma sind, ist das beängstigend. „Manchmal fürchte ich mich“, sagt die 25-Jährige Elhama Berisa.

Elhama (vorn links) macht sich Sorgen um ihre Familie: Unser Bild zeigt (hinten von links) ihre Tante Melia, ihre Schwester Emina (21), Großmutter Seftiye und Tante Fatima.

Dabei ist die junge Frau, die seit vier Jahren in einem Restaurant in Kassel als Küchenhilfe arbeitet, nicht akut von Abschiebung betroffen. Wie die HNA berichtete, konnte Elhama mit Unterstützung durch einen ökumenischen Solidaritätskreis der Kirche Ihringshausen eine Aufenthaltsgenehmigung erwirken, gültig für zwei Jahre. „Darüber bin ich noch immer so glücklich, so sprachlos“, sagt sie.

Sorgen macht sich Elhama dagegen über die Zukunft ihrer 73-jährigen Großmutter Seftiye, die vor Arthroseschmerzen kaum laufen kann, und ihrer Tanten, Melia (32) und Fatima (26). Sie leben seit Mai in der Angst, jederzeit abgeschoben zu werden.

„Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, wären wir nicht hier.“

Elhama Berisa

„Wir hatten im Kosovo ein großes Haus, dort sind wir geboren“, erzählt Elhama in fehlerfreiem Deutsch, das sie sich selbst beigebracht hat. Das Haus ist heute nur noch eine Ruine, wie man im Internet auf Google-Earth sehen kann.

Fatima, die in einer Fleischwarenfabrik in Gudensberg arbeitet, schenkt während des Gesprächs Tee ein und stellt einen Teller mit belegten Broten auf den Tisch. Der Großvater habe als Schweißer gearbeitet, erzählt Elhama, der Vater in einer Kohlefabrik. Dann brach der Krieg aus. Elhama war 14, als sie als Flüchtlingskind mit ihrer Familie nach Deutschland kam. Heute leben sie in einer ehemaligen Kaserne am Rande einer Gemeinde im Landkreis Kassel.

Wie bedrohlich das Leben im Kosovo war, bezeugt Elhamas Zustand, in dem sie sich befand: Aus Angst vor Vergewaltigung war sie mit mehreren Hosen übereinander bekleidet. Sie schlief in Schuhen, um jederzeit fliehen zu können. „Von oben gab es Bombardements, am Boden gingen die Albaner auf uns los, mitunter sogar Serben, wenn sie Roma auf Seiten der Albaner vermuteten. “ Sie macht eine lange Pause: „Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, wären wir nicht hier.“ Dann sagt sie: „Als Frauen können wir heute dorthin nicht mehr zurück.“ Das Land sei gesetzlos und sie fürchte sich vor körperlichen Angriffen. Vor allem Flüchtlinge, die aus Deutschland zurückkommen, würden im Kosovo von Kriminellen aufs Korn genommen, weil man bei ihnen Geld vermutet. Melia, die während des Gesprächs still war, sagt plötzlich: „Es ist sehr bedrohlich.“

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker bestätigen das. Sie raten dringend davon ab, Angehörige der Volksgruppe Roma, die eine unterdrückte Minderheit sei, ins Kosovo zurückzuschicken.

Schwierig für Behörden ist der häufige Analphabetismus der Roma. Viele Betroffene sind kaum in Einwohner-Registern verzeichnet. Für Langzeitflüchtlinge hat die Innenministerkonferenz 2007 einen Einreisestichtag festgelegt, den Seftiye, Melia und Fatima um Wochen verpasst haben. Anders als Elhamas Eltern und ein Bruder, der zum Stichtag minderjährig war, weshalb sie vor Abschiebung geschützt sind. Elhama: „Wir sind doch Frauen, wir tun niemandem etwas, warum können wir nicht hier leben?“

Von Christina Hein

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