10213.08.1013.08.10|Kassel|5 Kommentare
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Kassel. Die Bürger sollen selbst über die Zukunft der Energieversorgung mitentscheiden. Dazu wurde in Freiburg die Initiative „Energie in Bürgerhand“ gegründet. Mit Vorstand Burghard Flieger sprachen wir über einen Einstieg bei den Städtischen Werken.

Burghard Flieger, Vorstand Energie in Bürgerhand. Foto: privat
Herr Flieger, will „Energie in Bürgerhand“ den kompletten Anteil übernehmen, den Vattenfall an den Werken hält?
Burghard Flieger: Wir haben Interesse an der gesamten Beteiligung, die Vattenfall verkaufen will. Zu vernünftigen Bedingungen könnten wir uns aber auch einen geringeren Anteil vorstellen.
Vattenfall sucht schon länger einen Käufer. Warum melden Sie sich erst jetzt?
Flieger: Nach unserer Gründung haben wir uns vorrangig um einen Einstieg in die Thüga AG bemüht. Doch eine wirkliche Bürgerbeteiligung wollten die Thüga und ihre Gesellschafter nicht. Deswegen sind die Verhandlungen vor Kurzem gescheitert, was uns tief enttäuscht hat. Gleichzeitig öffnet sich damit die Möglichkeit, Projekte anzugehen, die die Perspektive einer echten Bürgerbeteiligung haben. Beworben haben wir uns in Kassel schon Anfang Juni.
Warum wären Sie ein guter Partner für Kassel?
Flieger: In den Gesprächen in Kassel haben wir erfahren, dass unser jetziger Mitbewerber Thüga verlauten lässt, wir hätten kein klares Geschäftskonzept. Doch das stimmt nicht. Wir haben viel durchschaubarere Entscheidungswege als die Thüga selbst. Unser Konzept ist auch klar: Beteiligungen an Stadtwerken oder Stadtwerkverbünden.
Was macht die Städtischen Werke für Sie interessant?
Flieger: Sie sind gut aufgestellt. Wir könnten daran mitwirken, dass ein Atomkonzern aussteigt. Zusammen mit Bürgern in Kassel möchten wir dies auch dauerhaft regional verankern. Wichtig ist uns eine direkte Beteiligung, und die ist in Kassel möglich. Wir wollen nicht bestimmen, aber wir wollen mitreden.
Wer steckt hinter „Energie in Bürgerhand“?
Flieger: Wir sind eine Genossenschaft, in die etwa 5000 Menschen aus ganz Deutschland insgesamt 28 Millionen Euro eingebracht haben. Die Mindestbeteiligung liegt bei 500 Euro. Wichtig ist uns, die Energiewirtschaft zu demokratisieren, eine dezentrale Energieerzeugung und den Ausstieg aus der Atomenergie zu erreichen.
Bei Politikern in Kassel haben Sie sich vorgestellt, bei Vattenfall nicht.
Flieger: Wir warten erst mal auf eine Rückmeldung nach Gesprächen mit SPD, CDU und Grünen. Wenn die positiv ausfällt, werden wir in Kassel für eine Bürgerbeteiligung werben. An unserer Genossenschaft sind zwar schon Menschen aus der Region beteiligt, aber es sollen mehr werden.
Wenn Sie in Kassel nicht zum Zug kommen, wären Sie schon zum zweiten Mal gescheitert. Was würde das bedeuten?
Flieger: Letztlich entscheidet sich die Frage, wie Bürgerbeteiligung von der Energiewirtschaft wirklich gesehen wird. Es gibt eine kleine, feine Minderheit von Stadtwerken, die unser Modell favorisiert. Aber eins ist auch klar: Geld in einzelne Energieprojekte wie Windparks zu investieren, ist keine echte Bürgerbeteiligung. Das ist nichts anderes, als Kleinanleger zu werben.
Von Claas Michaelis

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