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Zahl der Einbrüche in Kassel hat sich verdoppelt

Kriminalität in Kassel: Zahl der Einbrüche hat sich verdoppelt

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Kassel. „Wir wollten nicht mauern, wir mussten die Zahlen des Ministers abwarten“, sagte Polizeipräsident Eckhard Sauer bei der Präsentation der Kriminalstatistik für 2011. Damit ging er auf die HNA-Kritik ein, bei der Explosion der Einbrüche in Stadt und Kreis Informationen zurückgehalten zu haben.

Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte am Freitag die hessenweite Polizeistatistik in Wiesbaden präsentiert.

Am Rande war nur durch Nachfragen herausgekommen, dass die Einbruchszahlen in Nordhessen drastisch gestiegen sind. Am Dienstag gab es nun die Zahlen schwarz auf weiß: In der Stadt Kassel haben sich die Einbrüche in Wohnungen innerhalb eines Jahres um 93,8 Prozent nahezu verdoppelt. 715 Einbrüche (davon 318 Versuche) wurden 2011 im Stadtgebiet angezeigt. 2010 waren es 369 Einbrüche (darunter 134 Versuche).

Im Landkreis Kassel sieht es nicht viel besser aus. Mit 332 Einbrüchen (darunter 137 Versuche) wurde 69,4 Prozent dieser Delikte als noch 2010 angezeigt. In Kassel habe man damit ein Niveau erreicht, das zuletzt Ende der 1990er-Jahre zu verzeichnen war. Da sei es wenig tröstlich, dass Deliktsfelder wie der Auto-Aufbruch, der Kellereinbruch oder der Fahrraddiebstahl, allesamt Sorgenkinder des Jahres 2010, teilweise um fast 50 Prozent zurückgegangen seien, sagte Sauer.

Der Polizeipräsident stellte einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Pkw-Aufbrüche und den Anstieg der Wohnungseinbrüche dar. Da die Menschen offenbar weniger Wertgegenstände in ihren Fahrzeugen ließen und Navigationssysteme immer günstiger würden, lohne sich das Autoknacken für viele Täter nicht mehr. 2011 wurden in der Stadt 784 Pkw aufgebrochen, 2010 waren es noch 231 Fälle mehr. Im Landkreis wurden 284 Fahrzeuge, 43 weniger als 2010, geknackt. Statt Autos aufzubrechen, stiegen die Täter jetzt in Wohnungen ein und nähmen dort Schmuck, Gold und Geld mit.

Bisherige Ermittlungsergebnisse und Festnahmen sprächen dafür, dass es sich überwiegend um Täter aus Kassel oder Nordhessen handele, die fast alle dem Drogenmilieu zuzuordnen seien. „Möglicherweise stehen auch polizeiliche Einsatzstrategien, beispielsweise mit der Bekämpfung der Drogenkriminalität am Lutherplatz, mit dem überdeutlichen Anstieg in Zusammenhang“, sagte Polizeirat Marco Bärtl. Ein „Dilemma“ Von einem „Dilemma“ spricht Kriminaldirektor Oliver Kusan. Letztlich müsse es Ziel der Ermittler sein, die Drogenkriminalität zu bekämpfen. Werde ein Süchtiger mit Betäubungsmitteln erwischt, würde diese ihm abgenommen. Dadurch komme der Abhängige allerdings in die Lage, sich neue Drogen besorgen zu müssen und begehe nicht selten eine neue Straftat. Je mehr Aktivität die Polizei bei der Drogenbekämpfung zeige, desto mehr werde auch wieder Kriminalität zur Beschaffung erzeugt.

Tötungsdelikte

14 Menschen verloren im vergangenen Jahr bei Tötungsdelikten in Nordhessen ihr Leben. Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch spricht von sogenannten Totschlagsdelikten. Darunter verstehe man Tötungsdelikte ohne Mordmerkmal (das sind zum Beispiel Habgier, Heimtücke, Grausamkeit, niedere Beweggründe). Von den insgesamt 21 Totschlagsdelikten seien zwölf Taten vollendet worden.

In Kassel erregte das größte Aufsehen ein Familiendrama mit drei Toten. Am Freitag, 20. Mai, erschoss ein 85-jähriger Mann aus Süsterfeld-Helleböhn seine ein Jahr jüngere Ehefrau und die behinderte Tochter und richtete sich anschließend selbst. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dasse das betagte Ehepaar große Sorgen hatte, dass ihre behinderte Tochter beim Tod der Eltern nicht mehr richtig versorgt sei oder in ein Heim müsse.

Die Zahl der Mordfälle (und Versuche) hat sich im vergangenen Jahr von zwölf auf sechs Delikte halbiert. Während im Jahr 2010 in acht dieser Fälle neun Menschen zu Tode kamen und nur vier den Mordversuch überlebten, kam es im vergangenen Jahr zu keinem vollendeten Mord, sagt Jungnitsch. Die Zahl der Raubstraftaten ist in der Stadt Kassel im vergangenen Jahr auf 242 Fälle leicht gesunken (2010: 249).

Im Landkreis nahm die Zahl der Raubstraftaten hingegen von 49 auf 52 Fälle wieder leicht zu. Die Zahl der Raubüberfälle auf Tankstellen nahm im Vorjahr deutlich ab. Waren es in Nordhessen in den vergangenen vier Jahren elf (2010) und in den drei Jahren zuvor jeweils neun registrierte Raubüberfälle, so sank ihre Zahl im vergangenen Jahr auf fünf in ganz Nordhessen. Für das laufende Jahr dürte diese Zahl aber wieder steigen. Das kürzlich festgenommene Frankenberger Quartett hat in einer Januarwoche allein drei Raubüberfälle auf Tankstellen in der Stadt Kassel verübt.

Sexualdelikte

Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte hat im vergangenen Jahr in der Stadt Kassel deutlich abgenommen. In der Stadt sei die Zahl um 32 auf jetzt noch 174 Fälle zurückgegangen. Weniger Delikte habe es seit mehr als acht Jahren in diesem Bereich nicht mehr gegeben. „Zu den Ursachen kann ich nur spekulieren“, sagte Polizeipräsident Eckhard Sauer, ohne dies zu machen. Ob spektakuläre Prozesse im Vorjahr zu einem geänderten Anzeigeverhalten von möglichen Opfern geführt haben, darüber kann man nur mutmaßen. Moderator Jörg Kachelmann war wegen des Verdachts der Vergewaltigung freigesprochen worden. Zwei Freisprüche gab es zudem für den früheren SPD-Kandidaten Rainer Pfeffermann aus Ahnatal vor dem Kasseler Landgericht. Er hatte sich wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung zweier Frauen verantworten müssen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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