„Zum Lernen ist es ja nie zu spät“

Türkischer Rentnerverein startet Medienprojekt und informiert sich in der Kasseler Stadtbibliothek

„Zum Lernen ist es ja nie zu spät“

309.03.1009.03.10|Kassel|
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kassel. Einen eigenen Internetauftritt und mehr türkische Literatur in der Stadtbibliothek - das möchten die Mitglieder des türkischen Rentnervereins Emekder langfristig auf den Weg bringen. Ein Schritt in diese Richtung ist das Medienprojekt, das der Verein und der Stadtteiltreff Momberg schon Ende 2008 initiiert haben.

Lernort Stadtbibliothek: Vahiddin Oguz (links), Fevzi Polat (rechts) und die anderen Teilnehmer des PC-Projekts lassen sich von Günther Burkhardt (mit Buch) informieren. Foto: Koch

Lernort Stadtbibliothek: Vahiddin Oguz (links), Fevzi Polat (rechts) und die anderen Teilnehmer des PC-Projekts lassen sich von Günther Burkhardt (mit Buch) informieren. Foto: Koch

Teil des Projekts ist ein Besuch in der Stadtbibliothek. Deren Mitarbeiter Günther Burkhardt führte gestern die türkischen Rentner durch die Räume im ersten Stock des Rathauses und erläuterte ihnen nicht nur den Bücherbestand, sondern auch die anderen Medien.

Mit dabei waren Brigitte Vogler vom Stadtteiltreff und Sozialarbeiter Gustav Mewes, der speziell für das Projekt geschult ist. Dass nicht mehr nur Bücher, sondern längst auch das Internet und andere Medien wie DVDs die Vielfalt der Informationsquellen bestimmen, faszinierte die Senioren. „Wir haben hier heute viel gelernt“, zog Fevzi Polat Bilanz. Der 66-Jährige liest besonders gern Zeitung. Dass man das auch im Internet tun kann, findet er praktisch.

Zeit zu lernen - das ist es, was viele der Türken, die in den 60er- und 70er-Jahren nach Deutschland kamen, also die Gastarbeiter der ersten Generation, nicht hatten. „Wir wollten ja hier nur arbeiten, Geld verdienen und wieder heim“, erzählt Samil Caner (66). Die vielen Türken, die dann geblieben sind, haben als wichtig erkannt, woran sie damals noch gar nicht dachten: Integration. Und dass man dafür Deutschkenntnisse und Bildung braucht. „Aber zum Lernen ist es ja nie zu spät“, erklärt Necdetin Tunali (71) augenzwinkernd.

Er sowie Samil Caner und Fevzi Polat sind mit Vahiddin Oguz (66), Feridun Kahraman (68), Zeki Gulyeisil (66) und Kerim Cankurt (64) die Teilnehmer des Computer- und Medienprojekts.

Ärzte- und Apothekennotdienste, Spiele, Wettervorhersage, Angebote im Stadtteiltreff nennen die Männer als Beispiele, wofür sie das Internet nutzen. Aber auch E-Mails senden wird für viele immer wichtiger. Durch den PC sei auch ihr schriftliches Deutsch besser geworden, berichten sie. „All dies trägt dazu bei, dass die sonst eher zurückgezogene Gruppe türkischer Rentner mehr kommuniziert und sich besser integriert“, erklärt Brigitte Vogler.

Warum sind keine Frauen in dem Kurs? Einige Männer lachen und sagen, ihre Frauen wollten das nicht. Zuhause allerdings müssten sie ihnen dann alles berichten.

Einer der Teilnehmer, Samil Caner, hat einen Traum. „Ich wünsche mir alle Erfindungen in einem großen Buch“, sagt der Mann, der als Maurer gearbeitet hat.

Wissenschaftliche Begleitung

Finanziell unterstützt wurde das Projekt bisher von der Fieseler-Stiftung und dem Seniorenbeirat der Stadt. Jetzt gibt die Universität Geld, die das Projekt auch wissenschaftlich begleitet.

Von Sabine Oschmann

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