Witzenhausen. Besonders in einigen Dörfern hat die amtierende Bürgermeisterin Angela Fischer beim ersten Wahlgang überraschend gute Ergebnisse erzielt. Über ihre Pläne und Aussichten für die Stichwahl haben wir mit Angela Fischer gesprochen.
Die Wähler von Hans Spinn könnten zum Zünglein an der Waage werden. Wie wollen Sie diese von sich überzeugen?
Angela Fischer: Ich kann das nicht einschätzen, wie viele seiner Wähler für mich stimmen. Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung.
Welche Chancen sehen Sie denn, dass viele Menschen zur Stichwahl gehen?
Fischer: Auch das kann ich nicht einschätzen. Wir verteilen noch einmal Broschüren, haben Veranstaltungen und werben bis zum Schluss.
Sie und Michael Zimmermann wirken mit ihren Plänen sehr ähnlich. Wo unterscheiden Sie sich?
Fischer: Dass er ein Mann und ich eine Frau bin, ist ja offensichtlich. Aber Spaß beiseite: Unsere Lebenswege unterscheiden sich, jeder hat andere Erfahrungen gesammelt. Deshalb sind die Ansätze, mit Dingen umzugehen, unterschiedlich. Ich habe jetzt sechs Jahre Erfahrung als Bürgermeisterin. Da hat man ganz andere Kontakte zu Bürgern, nicht nur in Politik und Verwaltung. Und man hat viel mehr Einblicke zum Beispiel in die Arbeit der Aufsichtsräte, in denen die Stadt vertreten ist, wie bei der Deula oder dem Klinikum.
Eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung haben Sie nicht. Wie groß ist die Gefahr, dass Sie und die rot-grüne Koalition sich gegenseitig blockieren?
Fischer: Die Gefahr sehe ich nicht. Ich habe die Mehrheitsverhältnisse akzeptiert. Auch die Stadtverordneten sollen immer die beste Entscheidung zum Wohle der Stadt treffen. Im übrigen teile ich den Hinweis nicht, dass in meiner Amtszeit vieles nicht vorangegangen sei, nur weil ich keine eigene Mehrheit hatte. Die Bürger erwarten zurecht, dass wir zusammenarbeiten.
Einige Vorhaben sind nicht vorangekommen: Bei der neuen Werra-Brücke ist keine Entscheidung in Sicht. Und andere Kommunen sind beim Ausbau erneuerbarer Energien weiter.
Fischer: In Witzenhausen wird seit 80 Jahren über eine neue Werra-Brücke diskutiert. Nie waren wir so weit wie jetzt. Noch im Februar habe ich einen Termin im Verkehrsministerium. Dass mir vorgeworfen wird, es sei zu wenig geschehen, ist nicht fair. Wer wie die SPD über Jahrzehnte den Bürgermeister und die stärkste Fraktion stellte, darf nicht erwarten, dass das Problem in sechs Jahren gelöst ist.
Bei den erneuerbaren Energien haben wir in viele gute Leistungen erbracht, zum Beispiel beim Ausbau der Nahwärmeinsel, bei der energieeffizienten Stadtbeleuchtung, wir haben eine Elektro-Tankstelle bei den Stadtwerken und eine Bürgersolaranlage auf der Johannisbergschule. Die Verwaltung hat Leistungsfähigkeit beim Aufstellen neuer Bebauungspläne bewiesen.
Aber es steht noch kein Windrad in Witzenhausen.
Fischer: Als wir 2006 die Anlage nahe Berlepsch angehen wollten, führte das zu massiven Bürgerprotesten. Das Vorkommen des Roten Milan stoppte dieses Vorhaben. Mit dem kürzlich vorgelegten Gutachten haben wir nun konkrete Handlungsoptionen - auch die erneute Prüfung auf Windenergie, die wir in den nächsten drei bis fünf Jahren abarbeiten müssen. Bei den Erneuerbaren Energien haben wir an vielen Themen gearbeitet und teilweise Vorhaben umgesetzt. Plakativ lässt sich jetzt vieles kritisieren, aber dahinter stecken längere Prozesse.
Anders als Michael Zimmermann sind Sie für den Kommunalen Schutzschirm. Warum?
Fischer: Über den Schutzschirm für Witzenhausen entscheiden allein die Stadtverordneten. Aber auch ich sehe die Chancen für einen ausgeglichenen Haushalt noch nicht mit dem, was bisher bekannt ist. Darüber müssen wir verhandeln, Bedingungen klären und bisherige Sparanstrengungen nachweisen. Klar ist, dass wir aus eigener Kraft nicht mehr Einnahmen erzielen können. Bei den Einsparungen sind wir an der Grenze. Wir machen vieles, worüber andere noch gar nicht nachdenken. Die Haushaltslage ist viel zu ernst, als dass wir den Schritt unter den Schutzschirm nicht seriös prüfen sollten.
Michael Zimmermann bemüht das Beispiel, Witzenhausen sei ein Flugzeug im Sturzflug. Wie nah ist der Absturz?
Fischer: Diese Einschätzung teile ich nicht. Wir stürzen nicht ab. Ich habe von Witzenhausen eher das Bild eines Mosaiks, mit sehr vielen starken Menschen, die sich hier engagieren. (clm) Foto: Michaelis



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