Witzenhausen. Mit Kochlöffeln trommeln sie gegen Milchkannen, Trillerpfeifen im Mund. Andere ziehen mit großen Plakaten über den Campus Nordbahnhofstraße: „Mehr Mitbestimmung der Studenten“, steht auf einem Banner geschrieben. Die Protestaktionen zum Erhalt der Professur biologisch-dynamische Landwirtschaft (wir berichteten) gehen weiter.
Nachdem die Studenten erst kürzlich den Flur eines Uni-Gebäudes besetzten, wenden sie sich jetzt direkt an das Präsidium in Kassel. Im Anschluss an eine Vollversammlung führte eine Demonstration gestern zahlreiche Studenten mitten durch Witzenhausen bis zum Bahnhof und von dort aus nach Kassel.
Unterstützung erfahren die Studenten mittlerweile durch Absolventen des Fachbereichs. Mit Hilfe einer Online-Petition sammelten sie nach eigenen Aussagen in vier Wochen 1400 Unterschriften aus fünf Abschluss-Jahrgängen für den Erhalt, die sie dem Präsidenten der Uni übergeben hätten.
Die Universität Kassel nahm unterdessen ebenfalls Stellung zur geplanten Abschaffung der Stiftungsprofessur, die 2005 in Witzenhausen eingeführt wurde. Dort heißt es, die Professur solle „aus Sicht des Präsidiums ab dem Sommersemester 2011 nicht weitergeführt werden.“
Zu den Gründen für diese Entscheidung sagt Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep: „Der Fachbereich hat in den vergangenen Jahren erprobt, ob es möglich ist, Themen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wissenschaftlich zu fundieren und mit anderen Fachgebieten zu vernetzen.“ Die Beurteilungen der externen Gutachter hätten deutlich gemacht, dass dies in einem universitären Umfeld mit entsprechenden wissenschaftlichen Standards nur in sehr engen Grenzen möglich sei.
Eine Fortführung ist daher laut Hochschulleitung nicht sinnvoll – zumal keine Impulse für eine intensivere Kooperation mit der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen zu erwarten seien. Weiter heißt es in der Stellungnahme: Eine Professur aus Mitteln der Uni Kassel hätte zwangsläufig zur Folge, dass Personal und Sachmittel zentraler Fachgebiete des Fachbereichs umgeschichtet werden müssten – etwa in den Bereichen Bodenkunde, ökologische Pflanzenzucht oder Agrarpolitik.
Das Ende des Fachgebiets? Das muss nicht sein, meint die Hochschule. Forschung und Lehre in biologisch-dynamischer Landwirtschaft sei laut Postlep auch weiterhin möglich. Der Fachbereich sei frei, Lehraufträge in dem Bereich zu vergeben und entsprechende Fragestellungen aufzugreifen. (ale)



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