Witzenhausen. „Hospiz verpflichtet nicht zum Sterben“, sagt Annette Graser entschieden. Die ausgebildete Altenpflegerin koordiniert seit 2011 die Arbeit der Hospizgruppe Witzenhausen und Neu-Eichenberg. „Wir arbeiten auch für das Leben.“
Wir – das sind 25 ehrenamtliche Helfer, die Schwerkranke und Sterbende in ihrer letzten Lebensphase begleiten. Manchmal erholen sich Schwerkranke, berichtet Glaser, einige alleinstehende Senioren seien durch die Betreuung der Hospizgruppe regelrecht wieder aufgeblüht. Meist beendet aber der Tod eine Begleitung durch die Hospizgruppe. Dann leisten die Helfer auch Trauerarbeit für die Angehörigen und Freunde eines Verstorbenen.
Vorlesen, Singen, Zuhören, Reden, einfach nur Dasein: Die Hospizbegleiter gestalten den letzten Lebensabschnitt eines kranken Menschen so lebenswert wie möglich. „Wir machen nur das, was der zu Begleitende gerne möchte“, betont Graser. Zum Teil gehörten dazu auch Gespräche über Details der Beerdigung. „Mit Außenstehenden können einige leichter darüber reden, was ihnen auf der Seele brennt.“ Je nach Fall dauert eine Begleitung wenige Tage, teilweise aber auch mehrere Monate.
„Es ist eine schwere Aufgabe“, betont Graser – und zwar eine, für die die Helfer keinen Cent sehen. Sie verrichten ihren Dienst am Nächsten rein ehrenamtlich, nur Fahrtkosten werden erstattet. Wer nimmt das freiwillig auf sich? „Drei Viertel unserer Ehrenamtlichen sind Frauen“, sagt Graser. Meist seien sie zwischen 40 und 50 Jahre alt, einen medizinischen Beruf haben die wenigsten.
Bei einer Begleitung gebe es schöne Momente, weiß Graser. „Es darf auch gelacht werden.“ Das Schönste sei, wenn man sehe, dass die Arbeit Sterbenden und ihrem Umfeld gut tut. „Die Angehörigen müssen auch mal weinen können.“ Schwierig werde es, wenn es für den Sterbenden noch unerledigte Dinge gebe und man nicht helfen könne.
Um dafür gewappnet zu sein, treffen sich die Helfer regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Zudem werden sie mit Kursen in der Sterbe- und Trauerbegleitung geschult. 60 Stunden theoretischer Vorbereitung und eine Praktikumszeit müssen absolviert werden. „Die Schulung geht auch an die eigene Substanz“, warnt Graser. Es gebe immer wieder Menschen, die sich dem doch nicht gewachsen fühlten. Deswegen sucht die Hospizgruppe ständig neue Helfer, damit Sterbende und Angehörige den schweren letzten Weg nicht allein gehen müssen. Artikel Unten
Von Friederike Szamborzki



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