Burg Ludwigstein. Der Ostermarkt hat schon ganz andere Wetterkapriolen erlebt, statt Schnee und Kälte gab es diesmal Kaiserwetter: Blauer Himmel, Sonne und milde Temperaturen. Folge: massenhaft Besucher, die den Weg hinauf zur Burg nahmen oder sich per Shuttle-Bus fahren ließen. Zu sehen gab es wieder fantastisches Handwerk, zu erleben wunderbare Künstler – ob professionelle oder Amateure.
Gemeinsam haben sie eines: Sie kommen gerne zum Ostermarkt des veranstaltenden Arbeitskreises Europäische Jugendwoche. Krystyna Brix zum Beispiel reist seit mehr aus 25 Jahren aus Seesen-Rhüden (Niedersachsen) an. Heute hat sie sich ein schönes Plätzchen mit Naturlicht gesucht, bemalt kunstvoll ihre Eier, nebenbei ist Zeit für Verkaufs- und sonstige Gespräche. Natürlich ist Brix Mitglied im Arbeitskreis. „Ich bin gerne hier.“ Wer sie erlebt, muss diesen Satz gar nicht hören. Brix ist mit Freude bei der Oster-Sache.
Das Ei ist das dominierende Kunstwerk beim Ostermarkt. Es gibt es in hundertfachen Varianten – einfach nur herrlich glatt gedreht als Holz, oder mit wunderbaren sorbischen Wachsverzierungen, in feinen Strichen aufgetragen von Sabine Arnold aus Adelebsen. Sie ist zum zweiten Mal dabei, „auch, weil es sich beim letzten Mal gelohnt hat“.
Ein besonderes Ei – passend zum T-Shirt-Aufdruck – zeigt Anne Marie Nöthling: Die Elfjährige trägt die Silhouette der Burg und Erkennung für den Arbeitskreis auf dem Polo-Hemd. Das stattlich große Ei zeigt: in feiner Zeichnung die Burg Ludwigstein. Doch wo kommen diese Kunst-Eier her: „Von Sammlern“, sagt Helfer Michael Helbig, der aufpasst, dass die Kostbarkeiten nicht einfach angefasst werden. „Viele hat Rainer Chiharz zusammengetragen.“
Die Ausstellung zeigt auch Osterbräuche aus vielen Ländern. Dazu gibt es Erklärungen zum Osterfeuer und gar dem Eierwerfen. Das wird übrigens in Lixfeld (Kreis Biedenkopf) kultiviert.
Und wo sind bei all den Eiern die Hasen auf der Burg? Nicht weit – es gibt einen Ostergarten mit Figuren. Der junge Kilian aus Spangenberg ist fasziniert: „Da ist ein Auto mit Schokoladeneiern drin.“ Den Griff zur Leckerei und das Reinbeißen aber verkneift sich Kilian.
Ein Biss in die Eier von Manfred Menzel wäre fatal: sie sind aus verschiedenen Holz-Arten. Manfred Menzel kommt aus Reichensachsen und gehört quasi zum Inventar – er ist immer zum Ostermarkt – und auch zum Weihnachtsmarkt – hier, drechselt seine kleinen Kunstwerke. „Das ist eine Beschäftigungstherapie“ sagt der Rentner. Hier kann er zeigen, welch´ Kunstfertigkeit er sich hobbymäßig angeeignet hat – und erzählt das gerne. Wohl oft an diesem Samstag, der die Massen auf den Burgberg zieht. „Sehr viele Besucher“, bilanziert Helga Alter gegen 13 Uhr. Die ehemalige Witzenhäuserin sitzt am Eingang, mit einem Arbeitskreiskumpel – Dietmar Bink ist das seit 1970 – kassiert sie Eintritt.
Und wer nicht durch die vielen Schaustuben der Burg geht, der kann im Hof etwas Essen und gen azurblauem Himmel schauen – vor dem sich bunte Eierketten zeigen.
Von Thomas Kopietz



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