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Michael Zimmermann (SPD): „Ich bin besser für die Stadt“

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Witzenhausen. Vor sechs Jahren hatte Bürgermeisterkandidat Michael Zimmermann (SPD) nach dem ersten Wahlgang die Nase vorn. Dieses Mal will er nun das Blatt in der Stichwahl wenden. Darüber haben wir mit Michael Zimmermann gesprochen.

© Michaelis

Michael Zimmermann

Wie überzeugt man Hans Spinns Wähler von sich?

Michael Zimmermann: Indem man sie ernst nimmt. Das waren keine Spaßwähler, viele sehen Parteien und ihre Kandidaten kritisch. Ihnen geht es um Bürgerbeteiligung und Transparenz. Der Großteil der Wähler von Hans Spinn geht wieder wählen. Und ich denke, dass ich ihnen inhaltlich näher liege.

Welche Chancen sehen Sie, dass die Wahlbeteiligung nicht einbricht?

Zimmermann: Ich gehe von einer höheren Wahlbeteiligung für mich aus. Wir haben die letzten Tage genutzt, um Wähler gezielt anzusprechen, zum Beispiel mit ortsteilbezogenen Flugblättern. Es ist nicht egal, wer Bürgermeister wird, auch nicht bei der schlechten Finanzlage.

SPD und Grüne waren nach dem ersten Wahlgang sehr enttäuscht. Haben Sie den Wahlkampf verschlafen?

Zimmermann: Ich habe mich nicht zu sicher gefühlt. Aber ich habe zu wenig auf die Unterschiede hingewiesen, und die sind deutlich. Ich habe mehr inhaltliche Aussagen als Frau Fischer. Ein gravierender Unterschied ist außerdem, dass ich gegen den kommunalen Schutzschirm des Landes bin und Frau Fischer dafür.

Wagen Sie sich damit nicht weit vor? Über den Schutzschirm entscheiden doch die Stadtverordneten, nicht der Bürgermeister.

Zimmermann: Natürlich entscheiden die Stadtverordeten. Aber als Bürgermeister kann ich den Schritt unter den Schutzschirm doch nicht guten Gewissens vorschlagen. Wo soll man denn noch weitere 1,5 Millionen Euro einsparen, wie es gefordert würde? Dann muss man sagen, dass die Kita-Gebühren um 80 Prozent steigen würden, dass die dörfliche Infrastruktur zerschlagen würde, weil Dorfgemeinschaftshäuser zusammengelegt werden müssten. Das will ich nicht. Dank der Politik von Rot-Grün ist es uns doch gelungen, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Der Schutzschirm gefährdet die weichen Standortfaktoren. Ganz klar: Das Ziel muss die Haushaltskonsolidierung sein. Aber der Schuldenaufbau hat 30 Jahre gedauert, das können wir doch nicht in vier, fünf Jahren wieder abbauen.

Was wäre die Alternative? Der Schutzschirm ist doch zumindest ein Angebot.

Zimmermann: Wir werden Eingriffe machen müssen. Aber ich will mir das nicht vom Land vorschreiben lassen. Der Schutzschirm bedeutet nichts anderes, als dass Witzenhausen 16 Millionen Euro zur Tilgung der Kassenkredite bekommt. Aus den langfristigen Krediten kommt die Stadt nicht so schnell heraus. Und die Zinsen, die wir dann sparen, machen vielleicht höchstens 100 000 Euro aus. Das ändert nichts am strukturellen Haushaltsdefizit. Bevor im Magistrat über eine Vorprüfung entschieden wird, muss es erst eine Bürgerversammlung geben.

Anders als vor sechs Jahren hatte Angela Fischer in vielen Ortsteilen mehr Stimmen als Sie. Haben Sie ihr Augenmerk auf die Dörfer vernachlässigt?

Zimmermann: Natürlich hat sie einen Amtsbonus. Aber wir haben auch mehrere Veranstaltungen in Ortsteilen gemacht. Selbstkritisch muss ich mich dennoch fragen, warum die Ergebnisse so ausgefallen sind. Dazu gehört auch, noch einmal auf eigene Verdienste hinzuweisen. Ein Beispiel ist das Haus der Generationen in Ermschwerd. Solche Einrichtungen in den Dörfern zu haben und nicht nur alles in der Kernstadt, ist wichtig. Das war meine Idee, Frau Fischer hat es nur eingeweiht. Es ist nachweisbar, dass die CDU mit Frau Fischer das Haus samt Fahrstuhl so nicht haben wollte, wie es jetzt ist.

Seit dem ersten Wahlgang vergleichen Sie die Situation der Stadt mit dem eines trudelnden Flugzeugs, das nur Sie vor dem Absturz bewahren können. Ist das nicht ziemlich überdramatisiert?

Zimmermann: Ich habe von Sinkflug gesprochen. Aber mit der Politik von Frau Fischer stürzt das Flugzeug Witzenhausen tatsächlich ab. Ich will nicht als Co-Pilot weiter daneben sitzen. Nehmen Sie nur das Beispiel Werra-Brücke. Außer einem Schnappschuss mit dem früheren Wirtschaftsminster ist nichts vorangekommen. Man kann sicherlich nicht alles in einer Wahlperiode abhandeln, aber es ist ja überhaupt nichts passiert. Frau Fischer wirbt mit dem Slogan, sie sei gut für die Stadt. Ich bin besser für Witzenhausen. (clm)

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