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Witzenhausen. Treppen, Keller, Hinterhöfe: Das Kultur-Festival findet zum zweiten Mal in Witzenhausen statt. Unter dem Motto Kunst im Denkmal öffnen alte Häuser, Türme und Keller vom 9. bis 12. September wieder die Pforten.

© HNA/Bretzler
Ein außergewöhnlicher Musiker: Ray Kaczynski aus Göttingen entlockt den außergewöhnlichsten Materialien vorher unbekannte Töne.
In einer Serie stellen wir ausgewählte Orte und Künstler vor. Heute geht es um den Rhythmiker Ray Kaczynski, der außergewöhnliche Schlaginstrumente entwirft.
Rays Welt besteht aus Klängen, Tönen und Geräuschen. Sie kratzen, schleifen, scheppern, knattern und läuten. Sie klingen klar wie ein Glocke oder dumpf wie ein Stein. Tatsächlich Stein. Auch ihm entlocken die Stäbe Ray Kaczynskis Laute.
Am Freitag, 10. September, tritt der 50-jährige Perkussionist (siehe Stichwort) und Rhythmiker gemeinsam mit Autorin Anja Tuckermann aus Berlin im Gasthaus Zur Krone auf der Bühne. Zum dritten Mal treten die beiden mit einem gemeinsamen Stück auf. Diesmal werden humorige Geschichten der Familien Mühsam, Faul, Fröhlich, Vierschrötig und anderer unter dem Motto „Text und Musik ins Blaue“ erzählt.
Ray Kaczynski, Wahl-Göttinger und gebürtiger US-Amerikaner, wird die Lesung musikalisch untermalen. Die Instrumente, die er dazu verwendet, baut er selbst. Dafür verwendet er Materialien, die in unserer Alltagswelt normalerweise ohne akustische Zuordnung sind.
Steine, Kleiderbügel-Drähte, Stahlfedern, Lampenschirme, Schleifpapier, – ja sogar Haarkämme verschiedener Größen und Formen haben einen spezifischen Klang. Einen Klang, der Emotionen auslöst. Wenn Rays Stöcke über die ungewöhnliche Anordnung aus Materialien wirbeln, fühlt sich der Zuhörer mal in einen lustigen Trickfilm, mal in mystische Sphären und mal in einen Horrorfilm versetzt. Seine Gabe, außergewöhnliche Klänge zu erzeugen, hat ihn in der Musikszene zu einem bekannten Künstler, Komponisten und Percussion-Lehrer gemacht.
Auf eine Platte montiert sehen seine Instrumente aus wie die künstlerische Darstellung eines Miniatur-Abenteuerspielplatzes. Doch mit einem batteriebetriebenen Piezo-Mikrofon verstärkt, erreicht die Ohren plötzlich, was sonst unhörbar bleibt.
Ein Zufall brachte ihn auf diese Idee. Damals arbeitete Ray im Berliner Podewil-Zentrum für aktuelle Künste mit einem Komponisten zusammen, der hohe Erwartungen an die moderne Musik hatte. Er wollte mehr hören, als den Klang fremdländischer Instrumente aus Indien oder China. Er wollte etwas völlig Neues. „So fing ich an, mit ungewöhnlichen Materialien zu experimentieren.“ Was zunächst mühsam war, erwies sich für Ray als Glücksfall: Jahrelang machte er Rhythmik-Übungen – doch nicht als Schlagzeuger, sondern als Mann mit den verrückten Instrumenten blieb er dem Publikum in Erinnerung. Den Karriereschub kommentiert Ray trocken und bescheiden: „Ich glaube, ich mach’ das ganz gut.“
Info: www.xray-k.com
Von Kathrin Bretzler
Nach der Überwindung der Pestepidemie 1597, kurz vor Ausbruch des 30-jährigen Krieges (1618-1648), erlebte Witzenhausen eine kurze Blüte. Baulicher Ausdruck sind die Werrabrücke und Fachwerkbauten wie das Grau’sche Haus am Marktplatz.
Von demselben unbekannten Meister entstand 1610 die mit Fachwerk verzierte Krone am Kespermarkt. Die hohen Giebel und das steinerne Erdgeschoss machen sie zu einem stattlichen Bau, der die Nachbargebäude überragt.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Krone als Gasthaus genutzt. 1837 hielten die aus Göttingen vertriebenen Brüder Grimm (Göttinger Sieben) hier eine liberale Kundgebung ab.
Später wurde der Kronensaal Mittelpunkt der Witzenhäuser Gewerkschaften. Bis in die 1970er Jahre war hier ein Kino.
Freitag, 10. September: 19.30 Uhr: Ray Kaczynski und Anja Tuckermann, Familiengeschichten – Text und Musik ins Blaue. 22.30 Uhr: 7. Witzenhäuser Poetry Slam (Dichterwettstreit).
Samstag, 11. September: 20 Uhr: Auftritt des Gospelchors der evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Witzenhausen. 21.30 Uhr: Sabine Wackernagel, zweite Lesung. (kbr)
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