Witzenhausen. Wenn in Witzenhausen dieser Tage ein mittelgroßer Mann um die 50 mit leicht ergrauten Haaren und runder Brille in Hausschuhen vom Küsterhaus zur Liebfrauenkirche läuft, muss man sich nichts Ungewöhnliches dabei denken: Dann ist nämlich Christopher Weik, der neue Bezirkskantor, auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz.
An der Kirchenorgel tauscht Weik dann seine Hausschuhe mit schwarzen, leicht abgewetzten Tanzschuhen. „Darin rutscht man besser über die Pedale“, sagt er und greift in die Tasten seines fast 300 Jahre alten Arbeitsgerätes. Satter Klang erfüllt die Kirche.
Christopher Weik ist zufrieden, obwohl der Orgel eine Renovierung gut täte. Seit September ist er Bezirkskantor in Witzenhausen, richtig angetreten hat er den neuen Job aber erst im Januar, weil er vorher noch vier lange geplante Konzerte in Süddeutschland über die Bühne bringen wollte. In der Kesperstadt fühlt sich Weik aber schon richtig wohl, er genießt die kurzen Wege. „Es ist eine nette kleine Stadt, die Wert auf Kirchenmusik legt.“
„Das Gehäuse der Orgel ist ein solider VW, das Innenleben eher ein Fiat.“
Christopher Weik
Obwohl der 49-Jährige Kirchenmusik studiert hat, ist sie für ihn eher eine wiederentdeckte Leidenschaft. Nach dem Examen bekam Weik, der auch Dirigieren und Tonsatz studiert hat, durch Zufall eine Stelle am Theater. Hier dirigierte er Opern und Musicals, darunter das Rock-Musical „Jesus Christ Superstar“.
Gegen Rockmusik in der Kirche hätte Weik prinzipiell nichts einzuwenden, „wenn es ein Mittel ist, um Menschen in die Gemeinde zu bekommen.“ Einen Bezug zum Glauben müsse die Musik aber haben. Trotzdem bevorzugt er echte Kirchenmusik – weil sie beseelt sei. „Das waren keine Auftragsarbeiten, die Komponisten haben sie aus einem inneren Bedürfnis geschrieben.“
Als Kantor hat Weik viele Aufgaben: Er begleitet Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern auf der Orgel, gibt Orgelunterricht und unterstützt ehrenamtliche Organisten und Chorleiter im Bezirk. Sein Ziel sei es auch, ein Konzert pro Monat mit Gastmusikern oder eigenen Gruppen zu veranstalten.
Da trifft es sich gut, dass Weik auch Kammerorchester und Kantorei der Liebfrauenkirche leitet. „Im Juni wollen wir die Schöpfung von Haydn aufführen, im Dezember Bachs Weihnachtsoratorium“, kündigt er an. Neue Sänger seien immer willkommen. „Ich schließe niemanden aus.“ Zudem möchte Weik gerne für schwierige Werke den Bezirkschor wiederaufleben lassen und Projekte für kleinere Chöre des Bezirks anbieten.
Das Theater vermisst Christopher Weik kaum, ihm gefällt die Nähe zum Publikum. „In der Kirche kann man mit den Menschen ins Gespräch kommen.“
Von Friederike Szamborzki



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