Marzhausen. Dass irgendetwas nicht stimmt, hat Herbert Albrecht-Vogelsang sofort gesehen. Eines seiner 19 Mutterschafe wollte lammen. Doch so wie sonst, klappte das nicht.
Albrecht-Vogelsang versucht zu helfen. Auch das funktioniert nicht. Er ruft den Tierarzt, der dem Mutterschaf schließlich hilft, Zwillinge zur Welt zu bringen.
Doch die Lämmer, die am 14. Januar im Stall in Marzhausen geboren werden, sind tot. Eines hat einen außergewöhnlich langen Hals. Die Beine sind krumm, der Unterkiefer extrem verkürzt.
Bis dahin hat Albrecht-Vogelsang noch nicht viel vom Schmallenberg-Virus gehört, der sich im Herbst in Deutschland ausgebreitet hat. In einer landwirtschaftlichen Zeitung hat er davon gelesen. Was dahinter steckt, erfährt er, als er Dr. Erhard Schinkel, Veterinär des Werra-Meißner-Kreises benachrichtigt. „Dr. Schinkel war mir regelrecht dankbar“, sagt Albrecht-Vogelsang. Das Schmallenberg-Virus ist nicht meldepflichtig.
Hat nur zwei Lämmer verloren: Herbert Albrecht-Vogelsang aus Marzhausen befürchtet schwere Einbußen für die Schäfer durch das Schmallenberg-Virus. Foto: Michaelis„Noch nicht“, sagt Albrecht-Vogelsang. „Das wird noch ein richtiger Hammer.“ Viele womöglich infizierte Mutterschafe sind noch trächtig. Den Schäfern sagt Albrecht-Vogelsang schwere Zeiten voraus. „Das wird richtig teuer.“ Zum Einen gebe es finanzielle Verluste, weil die Lämmer nicht verkauft werden können. Zum Anderen müsse bei jeder Totgeburt der Tierarzt kommen. Seine Kosten durch das Virus beziffert Albrecht-Vogelsang auf etwa 300 Euro. „Ich mache das als Hobby, aber es ist trotzdem viel Geld für mich. Es ist bitter, wenn Lämmer durch so etwas verloren gehen.“
„Es ist bitter, wenn Lämmer durch so etwas verloren gehen.“
Das Muttertier, das die toten Lämmer in Marzhausen zur Welt gebracht hat, war das letzte trächtige Tier in seiner Herde. Alle anderen 30 Lämmer, die seit Weihnachten geboren wurden, sind gesund.
Die Ursachen für das Schmallenberg-Virus sind für den Hobby-Schäfer eindeutig. „Wir karren das Obst und Gemüse aus der ganzen Welt zu uns“, sagt er. Da sei es nicht verwunderlich, wenn so auch Krankheiten eingeschleppt werden.
Was Malaria für Menschen ist, ist für Schafe das Schmallenberg-Virus. Die Krankheit wird durch Stechmücken, so genannte Gnitzen, übertragen. Für Menschen ist das Virus ungefährlich. „Vor 50 Jahren gab es so ein Theater noch nicht“, sagt Albrecht-Vogelsang. Überhaupt haben es die Schäfer nicht leicht. Es gibt immer mehr Vorschriften. „Die EU macht den Schäfern sehr zu schaffen“, sagt er.
Einige seiner 19 Mutterschafe dürften das Schmallenberg-Virus noch in sich tragen. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Aber die Veterinäre vermuten, dass die Viren nach etwa acht bis zehn Wochen abgebaut sind.
Im kommenden Jahr dürften dann keine missgebildeten oder toten Lämmer geboren werden, sagt Herbert Albrecht-Vogelsang. „Aber sicher ist das nicht.“
Von Claas Michaelis



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