Hessisch Lichtenau. Eine Sache gibt es, die können sie auf gar keinen Fall entbehren: „Facebook gehört für uns zum Alltag einfach dazu“, sagt die 16-jährige Kübra. Doch es gibt viele andere Dinge, auf die sie und ihre Mitschüler in den nächsten Wochen verzichten wollen.
Die Realschulklasse 10a der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau startet heute das Projekt „40 Tage anders/bewusster leben“.
Im Religionsunterricht bei Klassenlehrer Jesus Nicolas Sola Requena ist die Idee zu diesem Projekt entstanden. Anders als sonst üblich, werden in der 10a evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet. Am Religionsunterricht nehmen zudem drei muslimische Schüler teil, in deren Familien gefastet wird, so wie bei Atakan: „Dann dürfen wir vor Sonnenuntergang nichts essen“, sagt der 16-Jährige Schüler. „Im Unterricht haben wir über die verschiedenen Fastengebräuche der Religionen geredet“, sagt Kübra. Dabei hätten Schüler auf einmal gesagt: „Das würde ich auch gerne machen“, erzählt Sola Requena.
In der traditionellen christlichen Fastenzeit, die am heutigen Aschermittwoch beginnt, hatte sich bisher keiner der Schüler an bestimmte Regeln gehalten. Doch in diesem Jahr „fastet“ die ganze Klasse nach ihrem eigenen Modell. Im Unterricht wurden zunächst viele Vorschläge gesammelt: Von Dingen, auf die man 40 Tage lang verzichten will zum einen, aber auch von guten Vorsätzen. Die Ziele sind ganz konkret. So will die 17-jährige Katharina keine Süßigkeiten mehr essen und nur noch einmal in der Woche Fastfood, dafür will sie jeden zweiten Tag mindestens 15 Minuten Sport machen. Atakan will sich in der Fastenzeit einmal in der Woche besonders gut um seine Hausaufgaben kümmern.
Andere Schüler haben sich vorgenommen, ihre Oma öfter zu besuchen, oder häufiger an die frische Luft zugehen. Auf großen Zetteln haben die Schüler ihre Ziele ganz genau formuliert und aufgeschrieben. Einmal pro Woche werden sie in der Schule darüber reden, wie treu sie ihren Vorsätzen sind. „Dabei werden wir auch ehrlich sein“, sagt Kübra. Außerdem hat jeder einen Paten bestimmt, der ihn zum Durchhalten bis Ostersonntag motivieren soll.
Die Klasse will „das Fastenbrechen“ nach den Ferien mit einem gemeinsamen Frühstück feiern. Darauf dürfte sich besonders Lehrer Sola Requena freuen: Er hat sich vorgenommen, in der Fastenzeit dreimal in der Woche nach 13 Uhr nur noch Salat zu essen. Außerdem will er sich einmal die Woche bewusst mit Freunden treffen. Für die Schüler erhofft er sich von dem Projekt einen „Gewinn durch Verzicht“. Deshalb soll in der Fastenzeit auch nichts ausgelassen werden, was man wirklich gerne mag.
Die Schüler der Klasse 10a freuen sich über Meinungen und Zuspruch zu ihrem Projekt, unter j.sola@gmx.de.
Von Irene Habich



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