Witzenhausen. Für den Bau eines dreigeschossigen Altenwohnheims durch den Kreisverband Witzenhausen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sollen große Teile der alten Stadtmauer an der Wickfeldtstraße in Witzenhausen abgerissen werden.
Dies gehe aus Bauunterlagen hervor, die Anwohnerin Cornelia Nicol im Bauamt in Eschwege eingesehen hat.
Eine öffentliche Informationsveranstaltung habe es zu dem Thema nicht gegeben, kritisiert Nicol. Die Arbeitsgruppe Kulturerbe Witzenhausen hat sich daher mit 30 Teilnehmern aus verschiedenen Werratal- und Geschichtsvereinen zu einer ersten Versammlung getroffen. Ihr Ziel ist es, die Bevölkerung gegen den geplanten Abriss zu mobilisieren und Unterschriften für eine Unterstützerliste zu sammeln.
Die Arbeitsgruppe Kulturerbe Witzenhausen will die Denkmalschutzbehörde überzeugen und sich an den Bauträger wenden. „Die Denkmalschutzbehörde hat die Mauer durch einen Bauforscher untersuchen lassen“, sagt Nicol. Diese Untersuchung belege, dass die 70 Meter lange, mittelalterliche Stadtmauer zu großen Teilen noch in Originalsubstanz erhalten sei.
Nicol habe nun per Zufall erfahren, dass im Dezember 2011 der Bauantrag eingereicht wurde. Demnach müsse ein Teil der 1,40 Meter dicken und drei Meter hohen Stadtmauer abgetragen werden, um den künftigen Anwohnern mehr Licht und einen schönen Ausblick zu gewährleisten.
Laut Nicol soll das Erdgeschoss des Neubaus 3,30 Meter hoch werden. Zudem sei das Gebäude acht Meter von der Mauer entfernt. Gründe für Nicol und ihre Mitstreiter Ralf Bokermann und Gustav Stürmer, für den Erhalt des kulturellen Erbes zu kämpfen. „Eine verminderte Sonneneinstrahlung ist nicht zu erwarten“, heißt es in einem Handzettel, mit dem die Arbeitsgruppe die Witzenhäuser informieren will. Ein Abriss oder eine Absenkung der Mauer sei daher nicht nötig.
Die Aktivisten fürchten zudem, dass die medizinische Akutversorgung gefährdet ist, wenn der Hubschrauberlandeplatz des angrenzenden Krankenhauses auf den Fußballplatz an der Werraaue verlegt wird. „Die Stadt Witzenhausen ist bereits in der Vergangenheit sehr rüde mit historischen Denkmälern umgegangen“, kritisiert Ralf Bokermann. Eine weitere Versammlung der Arbeitsgruppe ist geplant.



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