Werra-Meissner. Die Landratswahl hat noch weniger Menschen in die Wahllokale gelockt als 2006: 44 Prozent aller Wahlberechtigten gaben am Sonntag ihre Stimme ab, 2006 waren es 54,4 Prozent. Dabei fällt auf, dass in kleinen Gemeinden die Wahlbeteiligung am höchsten war.
In Neu-Eichenberg, wo auch der Bürgermeister gewählt wurde, lag sie bei 73,5 Prozent. In Eschwege gingen nur 34,3 Prozent zur Landratswahl.
Ein Trend, der den Politikwissenschaftler Dr. Rudolf Speth von der Universität Kassel nicht überrascht. „Die Menschen in kleinen Gemeinden sind nicht demokratiebewegter“, erklärt er. Die soziale Kontrolle sei aber stärker als in der anonymen Großstadt. „Man weiß im Dorf, wer der Wahl fern bleibt.“ Hinzu komme, dass vor allem Ältere eine Wahlpflicht verspürten. Sie bleiben auf dem Land, während viele Jüngere wegziehen.
Die geringe Wahlbeteiligung sei kein Trend mehr, sondern entwickele sich zum Problem, sagt SPD-Unterbezirksvorsitzender Andreas Nickel. In dieser Deutlichkeit sei es neu und tue der Demokratie „nicht gut“.
Ein Patentrezept, um die Bürgerbeteiligung zu steigern, haben weder Nickel und seine Parteifreunde noch die Politikwissenschaft. Direkte Demokratie sei kein Allheilmittel, sagt Speth. „Je häufiger direkt gewählt wird, desto mehr nimmt die Wahlbeteiligung ab.“ (fsz/sff)
Rubriklistenbild: © dpa


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