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An seinem 60. Geburtstag verabschiedet sich Polizeichef Horst Hanstein in Ruhestand

Winterreifen statt Karriere

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Eschwege. Das passt: Heute, an seinem 60. Geburtstag, verabschiedet sich Horst Hanstein, in den Ruhestand. Fast genau 18 Jahre leitete er die Polizeidirektion Werra-Meißner in Eschwege. Insgesamt blickt Hanstein auf eine über 40-jährige Dienstzeit zurück.

„Vor meinen Leuten“: Als Hintergrund für das Porträtfoto wählte Horst Hanstein ohne lange zu überlegen die Personaltafel in seinem Büro aus. Foto: Forbert

„Vor meinen Leuten“: Als Hintergrund für das Porträtfoto wählte Horst Hanstein ohne lange zu überlegen die Personaltafel in seinem Büro aus. Foto: Forbert

Auch wenn der in Lispenhausen bei Rotenburg/Fulda Gebürtige nach dem Realschulabschluss 1966 eine Lehre als Fernmeldetechniker machte, war Kriminalbeamter sein Traumberuf. Zweifel daran hatte er nur einmal, als ein sehr militärischer Schlag in die Grundausbildung bei der Polizei kam.

Und das Karriereziel? Leiter einer Polizeidirektion sei nie sein Ziel gewesen, sagt Hanstein. „Aber ich habe die Möglichkeiten genutzt.“ Das war 1992, als er die Schutzpolizei der Polizeidirektion Groß-Gerau gerade einmal ein Jahr geleitet hatte. Nun ging es aus dem hektischeren Südhessen – auch im Interesse seiner Frau, mit der er mittlerweile seit 39 Jahren verheiratet ist – ein Stück zurück in Richtung Heimat. Und merkt dazu mit Überzeugung an: „Hier kann man auch gut leben.“

Zuvor gehörte Hanstein gut vier Jahre dem hessischen Ministerium für Wirtschaft und Technik an, für das er eine Außenstelle am Flughafen Frankfurt, die sich mit der behördlichen Sicherheit befasste, aufbaute und leitete. Sieben Jahre davor war er Fachlehrer an der Hessischen Polizeischule, wiederum sieben Jahre davor war er beim Landeskriminalamt als Arbeitsgruppenleiter in der Terrorismusbekämpfung eingesetzt.

Die Zeit auf dem Flughafen sei die spannendste Zeit für ihn gewesen, erinnert er sich gern an umherjetten in der „großen Welt“, um beispielsweise auf den Malediven ebenso wie in Japan beim Aufstellen von Sicherheitsplänen für Flughäfen zu beraten.

Mehr als Leiter der Direktion, die er in Eschwege im Übrigen erst aufbaute, hätte er wohl werden können, glaubt Hanstein rückblickend. Doch in den politischen Bereich habe er nie gewollt, weil ihm die praktische Arbeit an der Basis viel mehr gelegen habe.

„Man muss schon ab und zu mal (was) anstoßen.“

Horst Hanstein

Und dafür tat er – in beidem Sinne – auch etliches: Nicht erst die jüngste Diskussion um Engpässe beim Personal wurde von ihm – Hanstein sagt bescheiden „von uns“ – angestoßen. Irgendwann könne man den Kollegen die Belastungen nicht mehr zumuten, sagt Horst Hanstein und fügt an: „Das geht auch zu Lasten der Sicherheit.“ Die Verantwortung für die Mitarbeiter – 220 waren ihm zuletzt unterstellt – und für die Bevölkerung standen bei ihm an erster Stelle.

So erklärt er auch die Affäre Winterreifen, die auch von Eschwege ausgegangen sei. Damals kämpfte er beim Innenminister darum, dass alle Einsatzfahrzeuge ausreichend ausgerüstet wurden. „Man muss schon ab und zu mal was anstoßen“, sagt er – und das Wort „was“ klingt irgendwie unterdrückt. Courage gehöre zu der Verantwortung dazu, der Politik zu sagen, was fehlt. Die Folge: Auf einen politischen Posten wurde Horst Hanstein nicht mehr befördert. Stattdessen gab es Allwetterreifen.

Von Stefan Forbert

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