Das Problem mit dem Luxus

Autohersteller müssen Abstriche bei den Absatzzahlen im obersten Preissegment machen

Das Problem mit dem Luxus

012.04.1012.04.10|Wirtschaft|
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Kassel. Der traditionelle Markt für Luxus in der Autobranche war bislang so definiert: hohe Preise, kleine Volumina. Dieser Markt hat gedreht – nicht erst seit der Absatzkrise, die in der Branche 2008 begann.

Bei Nobelkarossen wie der Marke Bentley müssen die Autobauer derzeit heftige Abstriche beim Absatz verbuchen. Fotos: dpa

Bei Nobelkarossen wie der Marke Bentley müssen die Autobauer derzeit heftige Abstriche beim Absatz verbuchen. Fotos: dpa

Egal ob Mercedes mit Maybach, Volkswagen mit dem Phaeton oder BMW mit Rolls Royce – sie alle haben ein mehr oder weniger großes Luxusproblem, denn statt immerwährender Topmargen droht den Autobauern in dem Segment die Durststrecke.

So folgte auf die formelhafte Wortfolge „Luxus geht immer“, zuletzt die ernüchternde Erkenntnis: „Bentley und Lamborghini werden auch 2010 weiterhin Verluste schreiben.“ Gesagt hat es VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bei der Präsentation der Bilanz Anfang März. Bentley schrieb 2009 einen Verlust von 194 Millionen Euro, 2008 hatte die Marke einen Gewinn von zehn Mio. Euro ausgewiesen.

Die Absatzzahlen sprechen ihre eigene Sprache: die Lamborghini-Familie fiel im Jahr 2009 von insgesamt 2424 auf 1253 Fahrzeuge, die Produktion der Bentleys ging von 7674 auf 3637 zurück, beim VW-Phaeton sackte sie von 6189 auf 4071 ab.

Versteckt in den Bilanzen

Ob mit derartigen Absatzzahlen noch Toprenditen zu erzielen sind, darf bezweifelt werden. In die Bücher schauen lassen sich die Autobauer nicht: Lamborghini und Phaeton verwässern als Marke oder Modell bei Audi und Volkswagen den Gewinn. Ausgewiesen wird lediglich der Absatz.

Mercedes verfährt mit der hauseigenen Luxusmarke Maybach ebenso. 2002 sollten von dem nach dem Stuttgarter Ingenieur Wilhelm Maybach benannten Fahrzeug 1000 Einheiten pro Jahr verkauft werden, 2008 waren es laut Geschäftsbericht 300, im vergangenen Jahr sollen es nur noch 200 gewesen sein. Im Geschäftsbericht der Stuttgarter ist die Nobelmarke nur noch eine unter vielen in der Gruppe der S-Klasse.

Einzig BMW konnte im vergangenen Jahr mit seiner Nobeltochter Rolls-Royce glänzen. Zwar mussten die Münchner ein Absatzminus von 17,3 Prozent verbuchen, aber im Vergleich mit Mitbewerbern bezeichnen sie sich „als klarer Marktführer im Segment der absoluten Luxusklasse“. Verkauft wurden 1002 nach 1212 Fahrzeugen im Jahr 2008.

Angesichts dieser Luxusprobleme gehen Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen bereits so weit, dass sie dazu raten: „VW sollte den Phaeton einstellen.“ Die Marke VW gebe solch einen Luxuswagen nicht her. 20 000 Fahrzeuge des – mit 65 800 Euro billigen – Luxusautos sollten pro Jahr produziert werden. So lauteten 2001 bei Einführung des Modells die hochtrabenden Ziele.

Comeback 2012?

Doch in den Abgesang der Nobelkarossen wollen andere Autoexperten nicht einstimmen. Im Gegenteil. So glaubt das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK an ein Comeback der Nobelkarossen. Ab 2012 könnte dies der Fall sein. Autofacts, die Spezialisten der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers, sprechen sich für das noble Geschäft aus. Erfolgsversprechend erscheint den Analysten das „Verkleinern“ der Fahrzeuge – abspecken, um sie einer breiteren Käuferschicht zum Einstieg anzubieten. Dies funktioniere bereits bei Bentley (Continental) und Rolls-Royce (Ghost). Variante Nummer zwei: Immer wieder neue Modellvarianten – das Erfolgsgeschäft von Porsche.

Doch die Zukunft ist grün, da sind sich die Experten einig: Hybrid- und Elektroantriebe werden auch aus der Luxusklasse nicht wegzudenken sein.

Von Martina Wewetzer

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