Nordhessen/Südniedersachsen. Die Nachricht ist in unserer Region eingeschlagen wie eine Bombe: Die Drogeriekette Schlecker hat Insolvenz angemeldet. Personal und Kunden sind erstaunt und teilweise schockiert. Eine Spurensuche von unseren Redaktionen vor Ort.
Die Nachricht von der Schlecker-Pleite traf die Mitarbeiter beispielsweise in Kassel unvorbereitet. Sie bangen nun um ihre Arbeitsplätze. „Ich weiß von nichts“, sagte eine Verkäuferin, die wie andere auch aus Angst vor möglichen Nachteilen nicht mit Namen erwähnt werden wollte. Kunden hatten ihr die schlechte Nachricht überbracht. „Wir wissen schon, dass Läden geschlossen wurden“, sagte eine andere Mitarbeiterin. „Aber das nicht.“
Überblick: Die Schlecker-Insolvenz in der Region
- Kassel
„Wenn das Unternehmen gegenüber uns Mitarbeitern wenigstens mal die Karten offen auf den Tisch legen würde“, bedauerte eine Mitarbeiterin der Filiale in Calden. Die Frau, die ungenannt bleiben wollte, sagte weiter, dass die Beschäftigten ihrem in finanzielle Schieflage geratenen Arbeitgeber ein Stück entgegengekommen seien. Die Kunden zeigten sich dabei ebenso überrascht wie die Mitarbeiter. „Ich bin geschockt“, sagte Stephan Christ. Der 46-Jährige kauft regelmäßig in der Schlecker-Filiale an der Altenbaunaer Straße in Oberzwehren ein. In Schwalm-Eder erinnert das Ende an ein Kartenhaus, das zusammenfällt.
Manche Drogeriemärkte haben bereits zu – das Ende kam schneller, als von den Beschäftigten erwartet. Viele Kunden standen in den vergangenen Tagen vor geschlossenen Türen und leeren Regalen. Geld von Kunden im Schlecker-Markt Neuental-Zimmersrode gab es seit Anfang der Woche nicht mehr, denn dort gibt’s nichts mehr zu kaufen.
In Schwalm-Eder könnten die Regale teilweise nicht wie gewohnt aufgefüllt werden wie früher. Das liegt offenbar daran, dass Schlecker sein Lager im thüringischen Herda geschlossen hat. 110 Mitarbeiter waren dort im Dezember arbeitslos geworden. Die Waren würden jetzt von anderen Lagern angeliefert.
Und im Schlecker im Einkaufszentrum Scheden hatten die drei Mitarbeiterinnen am Nachmittag die Nachricht von der bevorstehenden Insolvenz gerade im Radio gehört. „Naja, war wohl irgendwie abzusehen“, seufzt eine der Damen. Zeitweise hätten sich schon Waren und Lohn verzögert, aber woran es letztlich gelegen habe? „Wir hier draußen erfahren es doch sowieso nur als Letzte."
rpp/Aus unseren Außenredaktionen



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